Montag, 17. Mai 2010

Nimerudi!

I'm back, ich bin wieder da. Ich denke, nun haben es alle verstanden, dass ich wieder in Moshi bin. Mittwoch nachts kehrte ich heim, in meine liebste tansanische Stadt. Die Vorfreude war groß, da es mich immer wieder beruhigt zurückzukommen, doch war es auch etwas schade, dass ich Malawi so schnell wieder den Rücken zuwenden musste. Dort hatte ich eine großartige Zeit!
Dreieinhalb Wochen war ich hier allein daheim, sprach wenig Deutsch, lernte viel Kiswahili, ging gtäglich ins Büro und zeichnete Lanskarten und berauschte mich abends mit Unmengen an Musik, Narziss und Goldmund, den Buddenbrooks und Bartholomäus Grill. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken und war insgesamt echt glücklich. Doch irgendwann ist es der Isolation dann auch genug und was kann es da schöneres geben, als einen großartigen Mensch wie den David in Malawi zu besuchen!?
Wir hatten eine echt gute Zeit. Wie immer war bei ihm und seinen Kollegen viel los und das Haus gleicht immer noch einem Taubenschlag. Vie list passiert, seit wir uns das letzte Mal sahen und der Gesprächsstoff ging uns nie aus. Eine der spannendsten Veränderungen ist wohl Davids neue Halbtagesstelle in der Jacaranda School. Das ist eine Schule für Waisen in Blantyre, die von einer Malawierin gegründet wurde. Als einmal der Geldhahn für die Schule abgedreht wurde, unterrichtete ihre Mutter im Wohnhaus und die Dame selbst ging in die USA, wo sie als Nanny arbeitete und all ihr Einkommen der Schule zur Verfügung stellte. Da sie bei einer Schauspielerin aus Hollywood zu Hause tätig war, kam sie schnell in Zirkel, in denen sich viele Spenden eintreiben lassen, sie war bei Larry King und gewann einen CNN-Award für ihre aufopferungsvolle Arbeit. Inzwischen verfügt die Schule über Spenderkreise in China, USA, Frankreich, England, etc. Deutschland kommt hinzu, wenn David und co. wieder zurück sind. Sollte irgendeiner der Leser mal das dringende Bedürfnis verspüren, Geld in die dritte Welt zu spenden, so empfehle ich dieses Projekt wärmstens!
Ich besuchte die Schule am Nachmittag während der Bandprobe, die von David geleitet wird. Innerhalb von nur drei oder vier Monaten haben sich die Jungs und Mädels einiges an Klavier, Schlagzeug zbd Gitarre selbst beigebracht und schon mehrere Lieder komponiert. Die Könung ist der Chor von dreißig Mädchen, den ich bei einem kleinen Konzert in voller Pracht singen hörte. Wenn man diese Kinder singen hört, vergisst man den Rest der Welt…und trauert, dass dieses Talent so wenig gefördert wird…Der Anlass für das Konzert war übrigens eine Videoaufnahme, die nun nach London geschickt und auf einer Benefizveranstaltung abgespielt wird. Gäste sind ein paar der Spice Girls und andere Promis, Organisator ist einer der Songwriter Madonnas und der Eintrittspreis beträgt 200 Dollar (oder Pfund?) pro Person, die direkt nach Jacaranda geschickt werden. Große Sache ist das!
Nun, was habe ich dort noch erlebt? Ich habe ein bisschen am Alkoholfasten gesündigt und holländische Trinkspiele kennengelernt. Interessant…am Folgetaf wanderten wir dann mit einigen Leuten auf den Mount Soche, einen der Berge, die Blantyre umgeben. Das Gras stieg uns über den Kopf, immer wieder mussten wir umkehren und neue Wege finden und leider zerrissen meine Sandalen auf dem Anstieg. Doch Barfuß war die Sache natürlich nur noch ein Stückchen abenteurlicher und die herrliche Natur und der grandiose Ausblick waren mehr als nur eine faire Entschädigung. Danach wurde gegrillt!
Ein weiteres Highlight war die Rückfahrt. Sie begann mit dem schönsten Abendhimmel, den ich jemals erblickt habe, setzte sich am nächsten Tag mit Morgennebel über den taunassen Bergwiesen fort, brachte ein weiteres schönes Abendrot in Mbeya, einen traumhaften Sonnenaufgang am nächsten Tag und dann zum Abschluss einen knallroten Sonnenuntergang, während der Bus auf den Highway nach Moshi abbog. Schön, dass man bei einer Busfahrt so viel Zeit hat, aus dem Fenster zu schauen. Eine sehr primitive Feststellung, doch nicht immer kann mich so geduldig auf die Schönheit der Natur konzentrieren, finde ich.
Was kommt jetzt?
Café! Grace kam am Wochenende aus Dar zurück und nun möchte ich Nägel mit Köpfen machen. Es steht nur noch aus, ob Grace selbiges im Sinne hat, doch ich bin optimistisch!
Basi! Kwa leo inatosha. Ninausalimia ujeromani. Tutaonana
Genug! Für heute reicht's. Ich grüße Deutschland. Wir sehen uns!

Donnerstag, 29. April 2010

Saukalt ist es hier!

Während in Deutschland der Sommer Einzug erhält, wache ich hier immer wieder auf und spüre ein leichtes Frösteln unter meinem Bettbezug. Vielleicht sollte ich die Ikeasommerdecke bald mal wieder aktivieren, um den widrigen Bedingungen Widerstand zu leisten. Noch geht es aber noch ohne und am Sonntag fliehe ich vielleicht für kurze Zeit nach Malawi runter, in der Hoffnung, die kälteste Woche des Jahres zu umgehen. Ob diese aber nächste Woche sein wird, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht und angeblich wird es im Juni noch kälter...ich will heim! ;)
Viele werden sich fragen, warum ich schon wieder nach Malawi fahre. Dort muss ich mit David ein wenig planen und werde außerdem meine liebe Kollegin Anni gemeinsam mit Christina und Veronika treffen, die seit Wochen rumreisen. Aber das wird für mich nur von kurzer Dauer sein, denn mit dem Café steht hier einiges an Arbeit ins Haus! Und es ist nicht einmal sicher, ob ich überhaupt runterfahre. Muss mal ein bisschen Sparsamkeit an den Tag legen...

Die Landkarten habe ich nun abgeschlossen, ich fühle mich bereit, auch größere grafische Aufträge auf mich zu nehmen und überlege, ob ich etwas in diese Richtung studieren soll. Okay, das war eine ziemliche Lüge und für alle, die es interessiert: ich bewerbe mich auf Medizin und auf Bauingenieurwesen.

Gestern nahm ich an einem Workshop teil, der das Ziel hatte, tansaniaweite Standards für die Kaffeeproduktion festzulegen. Geleitet wurde die Veranstaltung natürlich von einem Europäer (der aber schon ewig hier lebt) und wie bei allen anderen Workshops oder Seminaren, die ich hier erlebt habe, ging die Sache irgendwie daneben. Da wird irgendeine wunderbare, lobenswerte und gut gemeinte Idee mittels komplexer Workshoptheorien (bevor ich herkam, wusste ich gar nicht, wie viele Arten es gibt, einen Managementplan zu erstellen, die Risiken einer Organisation zu bewerten, die Teilnehmer bei Laune zu halten – ein vorzügliches Frühstück!! – etc.) zu bearbeiten versucht, doch im Endeffekt verstehen alle Teilnehmer (meine Wenigkeit nicht ausgenommen) die Instruktionen falsch und nach mehrstündiger Gruppenarbeit sind nur nutzlose Resultate vorhanden. Das Ende des Workshops ist dann, wenn alle müde sind und das ist nicht nach 17:00...schließlich ist das Abendessen ja auch nicht mehr im Budget inbegriffen (obwohl die Spender die paar hundert Euro bestimmt locker machen würden...)...und die ganze Arbeit, die nicht geschafft wurde, übernimmt der Leiter des Workshops. Da könnte man sich den Workshop fast sparen, finde ich...aber wie gesagt, das Essen war echt gut, ich hatte ein paar sehr interessante Gespräche und fühlte mich am Abend durchaus bereichert. Für mich ist ja vieles immer noch ein Abenteuer, weshalb ich über inhaltliche Enttäuschungen locker wegsehen kann und andere Eindrücke und Erfahrungen für mich mitnehme. Natürlich ist es schön, wenn man auch mal sieht, dass inhaltlich irgendwo Fortschritte erzielt werden, doch das ist insgesamt eher eine Seltenheit...

So, was noch? Wurde gestern von meinen Gemüsestandmädels zum Essen eingeladen. Nach mehrstündigem rumrühren, war das Ugali dann auch fertig und die stundenlange Vorarbeit lieferte mir dann ungefähr zwei Minuten großen Essspaß. Seinen Brei mit der Hand zu essen, ihn erst einmal zu kneten, etc. ist echt ein Vergnügen, doch die Maismehlwassermischung macht sofort satt. Laut den Tansaniern macht Ugali auch stark. Aber die sagen auch, dass ihre Pommes (Chipsi) stark machen ;) Man muss aber auch fairerweise sagen, dass es kaum dicke Männer gibt und das Essen tatsächlich nur bei wenigen so an (oder ein)schlägt wie bei mir. So viel Chipsi wie ich hier schon gegessen habe...da müsste ich Gewichtheber oder Ringer oder so etwas werden. Einmal unterhielt ich mich mit einem Tansanier über die feine Unterscheidung von stark und fett (die bei uns im Deutschen in dem herrlichen Wort "kräftig" ja auch sehr schwierig ist) und als ich meinen Bauch aufblähte und sagte "schau, wie stark mich das Essen hier macht!" stimmte er mir zu und blähte seinen Bauch ebenfalls auf. Das nur so nebenbei...

So, genug für heute und bis bald!

Mittwoch, 21. April 2010

Arbeit!

Wer Ohren hat der höre! Seit Simon abgeflogen ist, bin ich tagtäglich, abgesehen vom Wochenende, im Büro. Primär bin ich zur Zeit dafür verantwortlich, von den Bauern gezeichnete Landkarten ihrer Kooperativen in den Computer zu übertragen und dort zu bearbeiten. Nachdem ich für die erste Karte noch mehrerer Tage bedurfte, hat sich das Arbeitstempo inzwischen vervielfacht und so langsam gehen mir die Karten aus...Doch das ist nicht weiter tragisch, denn es fallen immer wieder kleine PC-Probleme an, bei denen ich helfen kann oder es wird ein Partner für ein Brainsorming benötigt, und außerdem hat mir Grace die Aufgabe gegeben, mal über ein sehr spannendes Projekt zur Selbstfinanzierung nachzudenken: ein Biocafé in der Stadt! Da werde ich mich jetzt in den nächsten Tagen dran machen und schauen, was sich machen lässt. Schließlich wird die Klientel vermutlich eher auf meiner Wellenlänge sein, da sich nicht allzu viele Tansanier in die Cafés hier verirren.
Einerseits ist das mit Sicherheit eine Geldsache, andererseits setzt man sich hier aber auch einfach nicht zusammen, trinkt Kaffee und Tee und genießt den Feierabend oder den freien Tag. Zwar sitzen viele Leute den ganzen Tag über in den unzähligen lokalen Bars und Imbissbuden, doch wird dort fast ausschließlich gesoffen oder – so wie ich es zur Zeit meiner momentanen Fastenzeit tue – "Soda" (Cola, Fanta, Sprite getrunken). Und das, wo hier so viel Kaffee und Tee angebaut wird. Letzterer wird zumindest zum Frühstück noch konsumiert, wobei das häufig servierte Getränk viel Zucker, mit ein bisschen Tee und Milchpulver ist. Mir kommt das entgegen, ich war ja schon immer ein großer Fan von allem, was zu süß und etwas ungesund ist.
Wo ich gerade schon dabei bin, etwas vom Alltag und den Menschen hier zu erzählen: Simon merkte trotz all der sitzenden und trinkenden Menschen immer wieder an, wie seltsam die Tansanier doch seien, dass sie an jeder erdenklichen Stelle rumstehen. Nein, wenn man mit dem Daladala durch den Dschungel fährt, braucht man nicht zu fürchten, dass man verloren ist, denn nach ein paar Metern sieht man bestimmt jemanden irgendwo stehen. Die Damen, Herren, Kinder, Omas und Opas – ja, davon ist keine Altersgruppe auszuschließen – scheinen nicht auf dem Weg zu einem Ziel zu sein, sondern schlicht das Stehen zu genießen. Mir ist das noch nie so aufgefallen, doch wie auf so viele andere Dinge hat Simon mich darauf aufmerksam gemacht. Komisch. Noch komischer und meines Erachtens auch traurig ist es, dass es keine öffentlichen Sitzgelegenheiten gibt, Ausnahme Zanzibar und ganz wenige Stellen in Dar. Hier in Moshi gibt es nichts, was einer Plasa (oder Plaza?), wie Simon diese Plätze stets nannte, gleicht. Es gibt nicht eine einzige Sitzgelegenheit, die nicht zum Konsum eines Getränks verpflichtet. Das macht mir natürlich zu schaffen.
Zur Zeit bin ich mal alleine daheim. Letztes Mal war das im Dezember für zwei oder drei Tage der Fall und ich hatte ein echtes Tief. Diesmal ist Anni verreist und hat mit Veronika und Christina auch meine anderen beiden wichtigsten Damen von hier abgezogen. Also habe ich viel Zeit für mich, die Leute in meiner Umgebung, die Sprache, gute deutsche Bücher (ach, Narziß und Goldmund war großartig!) und eben das Büro. Es entsteht so langsam ein Alltag und nach mehr als sieben Monaten ist das ein wunderbares Gefühl! Morgens aufzuwachen (in der Regel immer ein bisschen zu spät, da der Wecker so leise ist und die Bücher abends einfach zu viel Zeit beanspruchen...ist aber auch nicht weiter schlimm, weil mein Ofen kaputt ist und mir deshalb morgens den Haferschleim mit Wasser aus dem Wasserkocher zubereite, was im Nu erledigt ist) und schemenhaft zu wissen, was der Tag so bringen wird und dann abends zu denken "jo, das hast du aber wieder gut gemacht, Hannes!" (das war jetzt wohl etwas übertrieben) – das beruhigt und befriedigt.
Es ist aber mitnichten so, dass mir langweilig würde. Als zumindest Christina noch hier war, sind wir zu zweit nach Arusha gefahren und frönten dem Luxus. Mit Sushi, Kino und "El Clasico" (Real Madrid – Barcelona) verbrachten wir einen tollen Tag. Letztes Wochenende lernte ich das Nachtleben Moshis mal mit anderen Leuten und ganz ohne einen Tropfen Alkohol kennen und konnte für mich selbst nachvollziehen, warum ich mir freitags oder samstags gerne mal den ein oder anderen Tropfen gegönnt habe. Bitte nicht missverstehen, das liegt nicht an den Leuten, sondern an den Locations.
Gestern war ich mit einem Freund abends essen, Hühnchen! Sehr interessant, da dieser Tansanier indischen Ursprungs unglaublich viel über dieses Land weiß und wir auch noch einen alten Freund von ihm trafen. Italiener, in der vierten Generation in Tansania, der auch sehr viel zu erzählen hatte. Immer wieder erfreue ich mich hier, was für spannende Leute und was für unglaubliche Geschichten man hier zu hören bekommt. Dass zum Beispiel im Süden Moshis früher riesige Wälder mit all den wilden Tieren, die es auch den Nationalparks gibt, wucherten, die aber alle in den letzten Jahrzehnten den Kohleproduzenten zum opfern fielen und mit deren Niedergang auch die Tierpopulationen ausgelöscht wurden. Ein Problem, dass ausnahmsweise mal nicht von den Kolonialisten gebracht wurde...
Ich merke, ich verliere langsam den Faden. Habe ich ihn überhaupt jemals gehabt? Nun denn, bis bald! Ich lade mal ein paar Fotos hoch...Gruß!

Freitag, 9. April 2010

Ich lebe noch!

Samahani sana - ich bitte vielmals um Verzeihung, dass ich solange nicht mehr geschrieben habe. Vor knapp drei Wochen kam mein Bruder Simon hier an, am letzten Mittwoch verließ er mich wieder, in der Zwischenzeit waren Mails und Blog mal weitgehend verdrängt und sogar der inflationäre SMS-Wahn wurde runtergeschraubt - vor allem aus dem Grund, dass ich mein Handy verloren habe...
...ja, das waren zweieinhalb wunderbare Wochen. Viele Gespräche, viele Eindrücke aus einem anderen Blickwinkel, viele Erlebnisse. Vom "Moloch" Dar Es Salaam zu zwei Freiwilligen in die Pareberge, ohne Strom, in traumhaft schöner Natur gelegen, weiter nach Moshi, mein Umfeld vorstellen, bis nach Arusha, wo wir eine deutsche Familie besuchten, die seit fast 20 Jahren in Tansania lebt und dann über Dar bis nach Zanzibar. Das war ein sehr würdiger Abschluss für diese Zeit. Wir waren ausschließlich in Stone Town und obwohl ich bereits das dritte Mal da war, nahm ich die Stadt wieder ganz anders war. Simon war stets an den Geschichten der einfachen Leute, die wir in den Gassen dieses Städtchens trafen interessiert und so fungierte ich als Dolmetscher und hatte großen Spaß daran. Wen haben wir da nicht alles getroffen!? Einen jener Fußballer, die von Oli Pocher zwei Wochen als zanzibarisches Nationalteam trainiert wurden, einen Koranlehrer, der hobbymäßig das "Islamic Cultural Heritage of Zanzibar" betreibt und dessen Wohnung einem ziemlich chaotischen Museum gleicht, einen Schreiner, dessen Vater vor langer Zeit von der Kooperation zwischen DDR und Zanzibar profitierte und jahrelang als Dolmetscher im Osten fungierte und schließlich fanden wir noch eine lokale Bäckerei, wo wir uns in den folgenden Tagen stets ein frisches Brot aus dem Ofen erkauften. Im Kontrast zu jenen Unterhaltungen und zu den langen Spaziergängen stand dann unsere samstägliche Suche nach einer Bar, die Bundesliga überträgt, doch am Ende mussten wir auf ein Internetcafé ausweichen und verfolgten Dortmund-Bremen im Live-Stream. Es hat sich gelohnt :)
Zum Thema Fußball möchte ich mal einen kleinen Exkurs machen. Diese Sportart ist auf jeden Fall ganz klar die Nummer eins im Lande, obwohl das Nationalteam sagenhaft unerfolgreich ist (in der Qualifikation zur WM-Qualifikation gescheitert) und es weder eine Profiliga, noch gute Fußballplätze gibt. Zwar sympathisieren viele mit einem der Erstligateams, doch die englische Premier League und die europaweiten Wettbewerbe stehen im Vordergrund. Also ist ein jeder Tansaner, der sich mit Fußball beschäftigt, Fan von Chelsea, Manchester, Arsenal oder Liverpool. Bei Premier League und Champions League Spielen füllen sich die Bars zuverlässig und die Stimmung ist gut. Steht dann ein Spiel wie Barcelona gegen Arsenal (ui, das war wirklich großartig!) an, dann finden sich einerseits die Fans von Arsenal und andererseits jene, die Liverpool, Manchester oder Chelsea unterstützen. Diese sind dann für einen Abend ganz extatisch Barcelonafans und lachen die Arsenalfans aus, wenn ihr Team verliert, stellen sich vor sie, winken und sagen "Byebye!" und feiern, dass ihr Konkurrententeam aus dem Wettbewerb geflogen ist.

Zurück zu Simons Besuch. Was gibt es dazu noch zu sagen? Simon hat festgestellt, dass das tansanische Essen tatsächlich sehr "stark" macht und mindestens drei der zehn gewonnenen Kilo Muskelmasse in meinem Kinn zu finden sind. Außerdem habe ich beschlossen, bis zur WM eine Diät zu machen und auf Alkohol zu verzichten. Das sind noch gute neun Wochen, doch ich bin natürlich optimistisch!

Jetzt bin ich wieder in Moshi und es gibt ein bisschen Arbeit im Büro. Heute haben wir ein Brainstorming zu den Risiken der biologisch nachhaltigen Kaffeeproduktion gemacht. Das war recht interessant. Die tansanische Arbeitsweise ist schon anders, als in Deutschland, aber ich denke, da wir hier personell ohnehin nicht auf dem Zahnfleisch gehen, ist es nicht tragisch, wenn man zu dritt ein Brainstorming macht, das eigentlich bereits von einem von uns komplett durchgeführt wurde und das er uns lediglich noch einmal präsentierte. Aber es ist auch einfach schön, morgens aufzuwachen und zu wissen "jetzt gehe ich zur Arbeit". Dann kommt nicht gleich die Frage "Wie schlage ich mir jetzt den Tag um die Ohren, bis die anderen Freiwilligen alle frei haben und ich mich mit ihnen treffen kann?"

Bis bald! Grüße

Freitag, 19. März 2010

Du bist nicht allein...

...denn dein Bruder kommt dich besuchen. Morgen ist es soweit! Ich werde nach Dar fahren, um dort am Sonntag den Erstgeborenen meiner Eltern abzuholen und mit ihm zweieinhalb Wochen durch das Land zu ziehen. Die Vorfreude ist gross und ich hoffe, er bringt Schokolade mit. Sonst...ja, sonst stehen die Vorzeichen schlecht.

Schon laenger habe ich nichts mehr hier reingeschrieben. Das Leben in Moshi plaetschert ein wenig vor sich hin. Da Strassenkinderprojekt geht praktisch gar nicht voran, in meiner Abwesenheit und auch darueber Hinweg war Manuel naemlich ebenfalls nicht da und somit auch nicht aktiv. Stattdessen spricht mich immer wieder ein Souvenirverkaeufer auf der Strasse an, dessen aeussere Erscheinung mich zu Beginn stets eingeschuechtert hat: glasige Augen, boeser Blick, tiefe Stimme, krummer Gang...er wirkte ziemlich heruntergekommen und hat mich immer wieder angebettelt, eines seiner wenigen Produkte zu kaufen. Inzwischen diskutieren wir aber nicht mehr ueber die Preise von Ketten und Malereien, sondern darueber, wie das Strassenkinderprojekt endlich mal an Schwung gewinnen kann. Bob - ich vermute so heisst er jetzt nicht wirklich - kennt die Wege zum Aufbau eines solchen Heims und hat mir viele Tipps gegeben. Allerdings bin ich im Besitz von genau...nichts! Ich habe kein Geld und kann das Projekt somit auch nicht alleine weiterfuehren. Manuel ist aber wieder in der Stadt und mal sehen, wie es jetzt weitergeht.
Da ich nicht monatelang auf Arbeit warten will, habe ich mich auch weiter umgehoert und ein interessantes Projekt gefunden, fuer das aber noch zahlreiche buerokratische Huerden (Arbeitsvertrag, Abaenderung der Aufenthaltserlaubnis, blabla) uebersprungen werden muessten, sodass ich dort wohl noch nicht sofort einsteigen kann. Mehr dazu, wenn ich konkretes in der Hand halte.

Ansonsten verbringe ich die Tage in Moshi mit anderen Freiwilligen, Praktikanten und abends mit Tansanern in der Koolbar, einer Bar mit Billardtisch, lauter, maessiger Musik und viel getanze. Letzteres folgt vor allem aus der Unmoeglichkeit, sich bei dieser Lautstaerke zu unterhalten.
Hin und wieder, wochenends, kommen dann auch schoene Ausfluege zu Wasserfaellen oder zu einer Oase in der Masaai-Steppe dazu. Ach, das war echt ein Traum! Alles gruen, man kann schwimmen und das nach einer dreiviertelstuendigen Motorradtaxifahrt durch oede Steppe!

So, bis bald!

Montag, 8. März 2010

Wieder daheim!

Nach fast einem Monat reisen, habe ich nun wieder mein gutes altes Moshi. Ich habe mich richtig darauf gefreut, mein temporäres Zuhause wiederzusehen, länger als nur für ein Wochenende. Diese Vorfreude begründet sich ausschließlich aus der Zufriedenheit, die ich in der Stadt verspüre und nicht etwa daher, dass die letzten Wochen nicht schön gewesen wären. Über meine Reiseaktivitäten habe ich ja sehr regelmäßig berichtet, nur Fotos fehlten noch. Die versuche ich soeben hochzuladen.
Letzte Woche stand das Zwischenseminar in Karatu an. Neben Anni und mir waren noch zwei andere Freiwillige vom SCI und zwölf Freiwillige vom solivol-Programm da. Wir waren also quasi neu in der Gruppe, da sich alle solivol-Freiwilligen schon von der Vorbereitung und von Besuchen während der letzten sechs Monate her kannten. Das änderte aber nichts daran, dass ich eine wunderbare Woche voller spannender, lustige und motivierender Gespräche hatte. Zwar gab es kaum ernsthaft durchgeführtes Programm, dennoch wurde ich sehr von den sympathischen Menschen um mich herum und ihren Geschichten inspiriert.
Einziger Makel am Seminar: es war in Karatu, wo es fast jeden Tag regnete und arktischr Temeperaturen weit unter der 25°C-Marke herrschten. Die logische Folge war, dass meine Erkältung schlimmer wurde und ich ein bisschen arg niedergeschlagen war. Ja, die Kälte hat mir sehr zugesetzt. Da bin ich doch froh, im heißen Moshi zu wohnen!
Als das Seminar offiziell vorbei war, fuhren wir alle nach Arusha, von wo aus am nächsten Tag Busse in alle Richtungen ausschwärmten. Anni und ich, die wir auch locker nach Moshi hätten weiterfahren können, nahmen auch diese Möglichkeit des Beisammenseins noch mit, trafen uns aber auch gleich noch mit zwei Freunden aus Moshi. Mit denen spazierten wir am Folgetag dann über den riesigen Souvenirmarkt, der am Sonntag schön ruhig war und auf dem ich meine Kiswahilikenntnisse trainieren konnte, während die anderen “shoppen” waren. Gespräche darüber, ob ich jungen Verkäufern nicht eine deutsche Frau ins Haus bringen könne, darüber, wie eine Verkäuferin in der Regel anfängt, Preise zu verhandeln (bei älteren Weißen geht es in etwa beim fünffachen des Werts los!) und darüber, wie unterschiedlich Deutsche und Tansaner sind und was man so auf einem Seminar in Karatu beredet. Es war sehr unterhaltsam und es macht mir Spaß, diese mir neue Sprache von Tag zu Tag besser zu sprechen und immer längere und intensivere Gespräche führen zu können.
Tutaonana siku nyingine!

Montag, 1. März 2010

Immer auf Achse

Sehr verehrte Leser,
bitte sehen Sie mir nach, dass ich heute nur eine kurze Notiz hinterlasse: ich bin bis Samstag auf dem Zwischenseminar. Danach gibt es einen langen Bericht und endlich wieder Fotos. Wer moechte, kann auch eine Postkarte beantragen. Die gibt es aber nur mit Gegenkarte.
Okay, das war jetzt sehr kurz und ein paar Minuten verbleiben mir noch im Internetcafe, bevor dann auch mein Bus nach Karatu faehrt.
Also, ich bin seit Freitag wieder in MOshi. Eigentlich wollte ich erst Sonntag wieder zurueckkehren, doch leider wurde das Rugbyspiel, an dem ich teilnehmen wollte, relativ spontan abgeblasen. Umsonst in Dar gewartet, trotzdem eine schoene Zeit gehabt. Und auch das Wochenende war wunderbar, sodass ich gar nicht so traurig war, kein Spiel gehabt zu haben. Mein dicker Bauch haette sich wohl gefreut. Naja...bis bald!