Die Zeit zieht ins Land, ich ziehe ins Büro und Grace zieht ihre Kreise in Moshi. Wo? Das würde ich auch gerne wissen, doch Moshi Karanga, jener Stadtteil, der nach der Erdnuss benannt ist, wo unser Büro und mein Haus liegen, wird von ihr nur selten und stets zu unvorhersehbaren Zeitpunkten tangiert. Daran, dass wir uns, wenn wir uns denn sehen, prächtig verstehen und ich unglaublich dankbar bin, sie als Mentorin zu haben, ändert das nichts. Am Fortschritt unseres Projekts leider auch nicht. Der bleibt sehr gering.
Ausdrücke wie "DIA" (Das ist Afrika) oder "African Time" (für alles, was sich verspätet) habe ich nie benutzt. Sicherlich, es gibt riesige Unterschiede zwischen den Lebensweisen in Tansania und Deutschland, doch allein schon, wenn man die Größe und die kulturelle Vielfalt Afrikas betrachtet, sollte bewusst werden, dass sich auf diesem Kontinent nicht generalisieren lässt. Nichtsdestotrotz muss ich gestehen, dass ich von mir langsam den Eindruck gewinne, afrikanisiert geworden zu sein. Der Stillstand in der Arbeit stört mich nicht weiter, ich freue mich, im Büro Zeit für Unterhaltungen zu haben und verzücke die anwesenden Mitarbeiter mit Bach, Chopin und Beethoven. Mittags vertrete ich mir ein bisschen die Füße, setze mich zum Gemüsestand, lasse meinen Blick träumend durch die Gegend schweifen und genieße den Kiswahilismalltalk. Nach einer weiteren Büroschicht folgt neuerdings endlich wieder Sport. Im Moshi Technical College treffen sich jeden Nachmittag die älteren Jungs eines großen Straßenkinderheims, um auf einem der besten Plätze in der Umgebung zu spielen. Mann, die haben mich beim Aufwärmen vielleicht fertig gemacht. Ewig lang kein Sport, Husten, viele neue Kilos – danach war ich (Herr Grosch würde sagen: "Salopp gesagt:") im Sack. Am nächsten Tag bin ich gleich wieder hin und habe dann auch erstmal gespielt. Passable Leistung würde ich sagen, doch der Mittelstürmerposten ist nicht meine große Stärke. À propos Fußball: von WM-Vorfreude merke ich bislang relativ wenig. Da das tansanische Team bereits in der Qualifikation zur Qualifikation ausgeschieden ist, ist das auch nicht weiter verwunderlich. Meinerseits ist die Vorfreude jedoch riesig!! Letzte Woche kam das entsprechende Kicker Sonderheft an und ich bin jetzt bestens eingestimmt. Schade, dass es noch immer vier Tage sind ;)
Eine letzte Sache, möchte ich noch erzählen: bei einem meiner Mittagsspaziergänge bin ich letzte Woche zur Fabrik der "Kibo Match Group" gelaufen und habe dort einem Freund ein Buch zurückgegeben. Er zeigte mir daraufhin die gesamte Streichholzfabrik. Ausgestattet mit schwedischen und deutschen Maschinen aus den Siebzigern, war die Fabrik durchaus interessant. Am beeindruckendsten war aber ein einziger Satz, den mein Freund Michaeli, der technische Leiter der Fabrik, über das manuelle Verpacken der Streichhölzer fallen ließ. Es gibt in der Fabrik eine Maschine, die das erledigt, die aber bei weitem nicht die Kapazität für alle Streichhölzer besitzt. Also arbeiten gleichzeitig rund einhundert Frauen daran, die Streichhölzer zu verpacken. An den Kauf einer zweiten Maschine wird nicht gedacht, da man diese Chance der Arbeitsbeschaffung nicht verstreichen lassen will. Man sage das mal einem deutschen Unternehmensberater. Und solche Worte kommen vom technischen Leiter, der mit der Anschaffung einer weiteren Maschine hundert Lohnzahlungen monatlich einstellen könnte und gleichzeitig selbst mehr Arbeit, mehr Verantwortung und vermutlich mehr Geld bekommen würde. Das sozialistische Erbe scheint auch siebzehn Jahre (ich glaube, es sind siebzehn Jahre...) nach der Liberalisierung starken Einfluss auf die Wirtschaft zu haben. Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich das in diesem Fall einfach nur beeindruckend finde!
Gruß und Kuss
Mittwoch, 9. Juni 2010
Montag, 31. Mai 2010
So langsam verfliegt die Zeit. Ich bin noch ziemlich genau drei Monate hier und im Juli kommt meine große Reise mit David, sodass ich effektiv nur noch zwei Monate in Moshi sein werde. Ob ich in dieser Zeit noch die Eröffnung unseres Cafes miterleben werde, darf bezweifelt werden. Die Dinge gehen so langsam voran! Hier läuft praktisch alles über private Kontakte und da ich von diesen nicht so sehr viele besitze, kann ich den Fortschritt des Projekts nicht ernsthaft beschleunigen. Aber ein bisschen was geht voran und so konnte ich Grace davon überzeugen, dass das Hauptaugenmerk nicht darauf liegen sollte, dass wir auch ein Internetcafe und eine Großküche haben, sondern dass wir eine kleine, aber feine Ausstellung zum Kaffeeanbau und -export einrichten. So viel zur Arbeit.
Letzte Woche waren Anni und ich bei unseren Freundinnen vom Gemüsestand eingeladen. Das war ein wirklich schöner und bereichernder Abend. Ihr Haus ist drei oder vier Zimmer groß und in jedem Zimmer wohnt eine Familie. Das bedeutet, dass in dem Zimmer, in dem wir die ganze Zeit fern sahen und das mit zwei kleinen Doppelbetten ausgestattet war, vier Frauen und ein Kind schlafen. Das ist schon eine anders, als man es bei uns gewöhnt ist. Während der Fernseher ununterbrochen lief, gesellten sich auch von den anderen Familien alle Kinder hinzu, sodass der Raum komplett voll war. Und alle hatten aber ihren Spaß. Wir unterhielten uns viel und neben den südamerikanischen Soap Operas, die unglaublich schlecht ins englische synchronisiert waren, stellte eine kleine Fotosession das Highlight des Abends dar. Eigentlich spricht keiner unserer Gastgeber Englisch, doch da die Geschichten so flach waren, konnten sie die Dinge sogar vorhersehen, die geschehen würden. Emotionaler Höhepunkt war eine Schlägerei in einer der Serien, die uns Zuschauer (speziell die tansanischen) zu wildem Gekreisch veranlasste.
Ja, dieser Abend war echt schön und ich überlege zur Zeit noch, wie wir uns dafür revanchieren können. Zum Essen einladen geht wohl nicht, da wir keinen Fernseher haben ;) Letztens habe ich mal Pizza furs Büro gebacken und das kam sehr gut an. Vielleicht bringe ich bald mal ein Blech beim Gemüsestand vorbei. Vorausgesetzt, unser Ofen wird beizeiten repariert.
Noch bevor wir zum Essen eingeladen wurden, begleiteten wir die Gemüsestanddamen mal bei ihrer Arbeit. Der Gemüsestand ist nur eine Nebeneinkunft, glaube ich. Das meiste Geld verdienen sie damit, reiche Gefängnisinsassen zu bekochen. Ich glaube, ich hatte mal erwähnt, dass ich direkt neben dem Gefängnis wohne. Anni und ich wollten schon immer mal im Gefängnis spazieren gehen, da es von außen sehr grün aussieht und zu jeder Zeit viele Leute dort verkehren. Uns Weißen war das aber nicht gestattet, sodass wir nur in Begleitung der Damen dort reinkamen. Und tatsächlich: das Gefängnis ist ein riesiges, sehr grünes Gelände mit der billigsten Bar Moshis. Schöner Spaziergang war das! Wirklich ins Gefängnis hinein kamen wir aber nicht. Nach dem Haupttor, das wir durchschritten, kommt erst noch die Angestelltenwohnsiedlung, die wir auch noch durchquerten und dann kommt der Knast, vor dem wir in Richtung Bar abbiegen mussten.
In der letzten Zeit komme ich in immer besseren Kontakt mit den wirklich einfachen Einheimischen Leuten hier. Ich gehe nur noch recht wenig mit anderen Freiwilligen aus und hänge sehr viel am Gemüsestand und im Büro rum. Da ich vom Partyleben ab September wohl ohnehin wieder reichlich haben werde, finde ich die momentane Situation sehr angenehm und bin ziemlich zufrieden. Noch drei Monate...
Letzte Woche waren Anni und ich bei unseren Freundinnen vom Gemüsestand eingeladen. Das war ein wirklich schöner und bereichernder Abend. Ihr Haus ist drei oder vier Zimmer groß und in jedem Zimmer wohnt eine Familie. Das bedeutet, dass in dem Zimmer, in dem wir die ganze Zeit fern sahen und das mit zwei kleinen Doppelbetten ausgestattet war, vier Frauen und ein Kind schlafen. Das ist schon eine anders, als man es bei uns gewöhnt ist. Während der Fernseher ununterbrochen lief, gesellten sich auch von den anderen Familien alle Kinder hinzu, sodass der Raum komplett voll war. Und alle hatten aber ihren Spaß. Wir unterhielten uns viel und neben den südamerikanischen Soap Operas, die unglaublich schlecht ins englische synchronisiert waren, stellte eine kleine Fotosession das Highlight des Abends dar. Eigentlich spricht keiner unserer Gastgeber Englisch, doch da die Geschichten so flach waren, konnten sie die Dinge sogar vorhersehen, die geschehen würden. Emotionaler Höhepunkt war eine Schlägerei in einer der Serien, die uns Zuschauer (speziell die tansanischen) zu wildem Gekreisch veranlasste.
Ja, dieser Abend war echt schön und ich überlege zur Zeit noch, wie wir uns dafür revanchieren können. Zum Essen einladen geht wohl nicht, da wir keinen Fernseher haben ;) Letztens habe ich mal Pizza furs Büro gebacken und das kam sehr gut an. Vielleicht bringe ich bald mal ein Blech beim Gemüsestand vorbei. Vorausgesetzt, unser Ofen wird beizeiten repariert.
Noch bevor wir zum Essen eingeladen wurden, begleiteten wir die Gemüsestanddamen mal bei ihrer Arbeit. Der Gemüsestand ist nur eine Nebeneinkunft, glaube ich. Das meiste Geld verdienen sie damit, reiche Gefängnisinsassen zu bekochen. Ich glaube, ich hatte mal erwähnt, dass ich direkt neben dem Gefängnis wohne. Anni und ich wollten schon immer mal im Gefängnis spazieren gehen, da es von außen sehr grün aussieht und zu jeder Zeit viele Leute dort verkehren. Uns Weißen war das aber nicht gestattet, sodass wir nur in Begleitung der Damen dort reinkamen. Und tatsächlich: das Gefängnis ist ein riesiges, sehr grünes Gelände mit der billigsten Bar Moshis. Schöner Spaziergang war das! Wirklich ins Gefängnis hinein kamen wir aber nicht. Nach dem Haupttor, das wir durchschritten, kommt erst noch die Angestelltenwohnsiedlung, die wir auch noch durchquerten und dann kommt der Knast, vor dem wir in Richtung Bar abbiegen mussten.
In der letzten Zeit komme ich in immer besseren Kontakt mit den wirklich einfachen Einheimischen Leuten hier. Ich gehe nur noch recht wenig mit anderen Freiwilligen aus und hänge sehr viel am Gemüsestand und im Büro rum. Da ich vom Partyleben ab September wohl ohnehin wieder reichlich haben werde, finde ich die momentane Situation sehr angenehm und bin ziemlich zufrieden. Noch drei Monate...
Mittwoch, 26. Mai 2010
Montag, 17. Mai 2010
Nimerudi!
I'm back, ich bin wieder da. Ich denke, nun haben es alle verstanden, dass ich wieder in Moshi bin. Mittwoch nachts kehrte ich heim, in meine liebste tansanische Stadt. Die Vorfreude war groß, da es mich immer wieder beruhigt zurückzukommen, doch war es auch etwas schade, dass ich Malawi so schnell wieder den Rücken zuwenden musste. Dort hatte ich eine großartige Zeit!
Dreieinhalb Wochen war ich hier allein daheim, sprach wenig Deutsch, lernte viel Kiswahili, ging gtäglich ins Büro und zeichnete Lanskarten und berauschte mich abends mit Unmengen an Musik, Narziss und Goldmund, den Buddenbrooks und Bartholomäus Grill. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken und war insgesamt echt glücklich. Doch irgendwann ist es der Isolation dann auch genug und was kann es da schöneres geben, als einen großartigen Mensch wie den David in Malawi zu besuchen!?
Wir hatten eine echt gute Zeit. Wie immer war bei ihm und seinen Kollegen viel los und das Haus gleicht immer noch einem Taubenschlag. Vie list passiert, seit wir uns das letzte Mal sahen und der Gesprächsstoff ging uns nie aus. Eine der spannendsten Veränderungen ist wohl Davids neue Halbtagesstelle in der Jacaranda School. Das ist eine Schule für Waisen in Blantyre, die von einer Malawierin gegründet wurde. Als einmal der Geldhahn für die Schule abgedreht wurde, unterrichtete ihre Mutter im Wohnhaus und die Dame selbst ging in die USA, wo sie als Nanny arbeitete und all ihr Einkommen der Schule zur Verfügung stellte. Da sie bei einer Schauspielerin aus Hollywood zu Hause tätig war, kam sie schnell in Zirkel, in denen sich viele Spenden eintreiben lassen, sie war bei Larry King und gewann einen CNN-Award für ihre aufopferungsvolle Arbeit. Inzwischen verfügt die Schule über Spenderkreise in China, USA, Frankreich, England, etc. Deutschland kommt hinzu, wenn David und co. wieder zurück sind. Sollte irgendeiner der Leser mal das dringende Bedürfnis verspüren, Geld in die dritte Welt zu spenden, so empfehle ich dieses Projekt wärmstens!
Ich besuchte die Schule am Nachmittag während der Bandprobe, die von David geleitet wird. Innerhalb von nur drei oder vier Monaten haben sich die Jungs und Mädels einiges an Klavier, Schlagzeug zbd Gitarre selbst beigebracht und schon mehrere Lieder komponiert. Die Könung ist der Chor von dreißig Mädchen, den ich bei einem kleinen Konzert in voller Pracht singen hörte. Wenn man diese Kinder singen hört, vergisst man den Rest der Welt…und trauert, dass dieses Talent so wenig gefördert wird…Der Anlass für das Konzert war übrigens eine Videoaufnahme, die nun nach London geschickt und auf einer Benefizveranstaltung abgespielt wird. Gäste sind ein paar der Spice Girls und andere Promis, Organisator ist einer der Songwriter Madonnas und der Eintrittspreis beträgt 200 Dollar (oder Pfund?) pro Person, die direkt nach Jacaranda geschickt werden. Große Sache ist das!
Nun, was habe ich dort noch erlebt? Ich habe ein bisschen am Alkoholfasten gesündigt und holländische Trinkspiele kennengelernt. Interessant…am Folgetaf wanderten wir dann mit einigen Leuten auf den Mount Soche, einen der Berge, die Blantyre umgeben. Das Gras stieg uns über den Kopf, immer wieder mussten wir umkehren und neue Wege finden und leider zerrissen meine Sandalen auf dem Anstieg. Doch Barfuß war die Sache natürlich nur noch ein Stückchen abenteurlicher und die herrliche Natur und der grandiose Ausblick waren mehr als nur eine faire Entschädigung. Danach wurde gegrillt!
Ein weiteres Highlight war die Rückfahrt. Sie begann mit dem schönsten Abendhimmel, den ich jemals erblickt habe, setzte sich am nächsten Tag mit Morgennebel über den taunassen Bergwiesen fort, brachte ein weiteres schönes Abendrot in Mbeya, einen traumhaften Sonnenaufgang am nächsten Tag und dann zum Abschluss einen knallroten Sonnenuntergang, während der Bus auf den Highway nach Moshi abbog. Schön, dass man bei einer Busfahrt so viel Zeit hat, aus dem Fenster zu schauen. Eine sehr primitive Feststellung, doch nicht immer kann mich so geduldig auf die Schönheit der Natur konzentrieren, finde ich.
Was kommt jetzt?
Café! Grace kam am Wochenende aus Dar zurück und nun möchte ich Nägel mit Köpfen machen. Es steht nur noch aus, ob Grace selbiges im Sinne hat, doch ich bin optimistisch!
Basi! Kwa leo inatosha. Ninausalimia ujeromani. Tutaonana
Genug! Für heute reicht's. Ich grüße Deutschland. Wir sehen uns!
Dreieinhalb Wochen war ich hier allein daheim, sprach wenig Deutsch, lernte viel Kiswahili, ging gtäglich ins Büro und zeichnete Lanskarten und berauschte mich abends mit Unmengen an Musik, Narziss und Goldmund, den Buddenbrooks und Bartholomäus Grill. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken und war insgesamt echt glücklich. Doch irgendwann ist es der Isolation dann auch genug und was kann es da schöneres geben, als einen großartigen Mensch wie den David in Malawi zu besuchen!?
Wir hatten eine echt gute Zeit. Wie immer war bei ihm und seinen Kollegen viel los und das Haus gleicht immer noch einem Taubenschlag. Vie list passiert, seit wir uns das letzte Mal sahen und der Gesprächsstoff ging uns nie aus. Eine der spannendsten Veränderungen ist wohl Davids neue Halbtagesstelle in der Jacaranda School. Das ist eine Schule für Waisen in Blantyre, die von einer Malawierin gegründet wurde. Als einmal der Geldhahn für die Schule abgedreht wurde, unterrichtete ihre Mutter im Wohnhaus und die Dame selbst ging in die USA, wo sie als Nanny arbeitete und all ihr Einkommen der Schule zur Verfügung stellte. Da sie bei einer Schauspielerin aus Hollywood zu Hause tätig war, kam sie schnell in Zirkel, in denen sich viele Spenden eintreiben lassen, sie war bei Larry King und gewann einen CNN-Award für ihre aufopferungsvolle Arbeit. Inzwischen verfügt die Schule über Spenderkreise in China, USA, Frankreich, England, etc. Deutschland kommt hinzu, wenn David und co. wieder zurück sind. Sollte irgendeiner der Leser mal das dringende Bedürfnis verspüren, Geld in die dritte Welt zu spenden, so empfehle ich dieses Projekt wärmstens!
Ich besuchte die Schule am Nachmittag während der Bandprobe, die von David geleitet wird. Innerhalb von nur drei oder vier Monaten haben sich die Jungs und Mädels einiges an Klavier, Schlagzeug zbd Gitarre selbst beigebracht und schon mehrere Lieder komponiert. Die Könung ist der Chor von dreißig Mädchen, den ich bei einem kleinen Konzert in voller Pracht singen hörte. Wenn man diese Kinder singen hört, vergisst man den Rest der Welt…und trauert, dass dieses Talent so wenig gefördert wird…Der Anlass für das Konzert war übrigens eine Videoaufnahme, die nun nach London geschickt und auf einer Benefizveranstaltung abgespielt wird. Gäste sind ein paar der Spice Girls und andere Promis, Organisator ist einer der Songwriter Madonnas und der Eintrittspreis beträgt 200 Dollar (oder Pfund?) pro Person, die direkt nach Jacaranda geschickt werden. Große Sache ist das!
Nun, was habe ich dort noch erlebt? Ich habe ein bisschen am Alkoholfasten gesündigt und holländische Trinkspiele kennengelernt. Interessant…am Folgetaf wanderten wir dann mit einigen Leuten auf den Mount Soche, einen der Berge, die Blantyre umgeben. Das Gras stieg uns über den Kopf, immer wieder mussten wir umkehren und neue Wege finden und leider zerrissen meine Sandalen auf dem Anstieg. Doch Barfuß war die Sache natürlich nur noch ein Stückchen abenteurlicher und die herrliche Natur und der grandiose Ausblick waren mehr als nur eine faire Entschädigung. Danach wurde gegrillt!
Ein weiteres Highlight war die Rückfahrt. Sie begann mit dem schönsten Abendhimmel, den ich jemals erblickt habe, setzte sich am nächsten Tag mit Morgennebel über den taunassen Bergwiesen fort, brachte ein weiteres schönes Abendrot in Mbeya, einen traumhaften Sonnenaufgang am nächsten Tag und dann zum Abschluss einen knallroten Sonnenuntergang, während der Bus auf den Highway nach Moshi abbog. Schön, dass man bei einer Busfahrt so viel Zeit hat, aus dem Fenster zu schauen. Eine sehr primitive Feststellung, doch nicht immer kann mich so geduldig auf die Schönheit der Natur konzentrieren, finde ich.
Was kommt jetzt?
Café! Grace kam am Wochenende aus Dar zurück und nun möchte ich Nägel mit Köpfen machen. Es steht nur noch aus, ob Grace selbiges im Sinne hat, doch ich bin optimistisch!
Basi! Kwa leo inatosha. Ninausalimia ujeromani. Tutaonana
Genug! Für heute reicht's. Ich grüße Deutschland. Wir sehen uns!
Donnerstag, 29. April 2010
Saukalt ist es hier!
Während in Deutschland der Sommer Einzug erhält, wache ich hier immer wieder auf und spüre ein leichtes Frösteln unter meinem Bettbezug. Vielleicht sollte ich die Ikeasommerdecke bald mal wieder aktivieren, um den widrigen Bedingungen Widerstand zu leisten. Noch geht es aber noch ohne und am Sonntag fliehe ich vielleicht für kurze Zeit nach Malawi runter, in der Hoffnung, die kälteste Woche des Jahres zu umgehen. Ob diese aber nächste Woche sein wird, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht und angeblich wird es im Juni noch kälter...ich will heim! ;)
Viele werden sich fragen, warum ich schon wieder nach Malawi fahre. Dort muss ich mit David ein wenig planen und werde außerdem meine liebe Kollegin Anni gemeinsam mit Christina und Veronika treffen, die seit Wochen rumreisen. Aber das wird für mich nur von kurzer Dauer sein, denn mit dem Café steht hier einiges an Arbeit ins Haus! Und es ist nicht einmal sicher, ob ich überhaupt runterfahre. Muss mal ein bisschen Sparsamkeit an den Tag legen...
Die Landkarten habe ich nun abgeschlossen, ich fühle mich bereit, auch größere grafische Aufträge auf mich zu nehmen und überlege, ob ich etwas in diese Richtung studieren soll. Okay, das war eine ziemliche Lüge und für alle, die es interessiert: ich bewerbe mich auf Medizin und auf Bauingenieurwesen.
Gestern nahm ich an einem Workshop teil, der das Ziel hatte, tansaniaweite Standards für die Kaffeeproduktion festzulegen. Geleitet wurde die Veranstaltung natürlich von einem Europäer (der aber schon ewig hier lebt) und wie bei allen anderen Workshops oder Seminaren, die ich hier erlebt habe, ging die Sache irgendwie daneben. Da wird irgendeine wunderbare, lobenswerte und gut gemeinte Idee mittels komplexer Workshoptheorien (bevor ich herkam, wusste ich gar nicht, wie viele Arten es gibt, einen Managementplan zu erstellen, die Risiken einer Organisation zu bewerten, die Teilnehmer bei Laune zu halten – ein vorzügliches Frühstück!! – etc.) zu bearbeiten versucht, doch im Endeffekt verstehen alle Teilnehmer (meine Wenigkeit nicht ausgenommen) die Instruktionen falsch und nach mehrstündiger Gruppenarbeit sind nur nutzlose Resultate vorhanden. Das Ende des Workshops ist dann, wenn alle müde sind und das ist nicht nach 17:00...schließlich ist das Abendessen ja auch nicht mehr im Budget inbegriffen (obwohl die Spender die paar hundert Euro bestimmt locker machen würden...)...und die ganze Arbeit, die nicht geschafft wurde, übernimmt der Leiter des Workshops. Da könnte man sich den Workshop fast sparen, finde ich...aber wie gesagt, das Essen war echt gut, ich hatte ein paar sehr interessante Gespräche und fühlte mich am Abend durchaus bereichert. Für mich ist ja vieles immer noch ein Abenteuer, weshalb ich über inhaltliche Enttäuschungen locker wegsehen kann und andere Eindrücke und Erfahrungen für mich mitnehme. Natürlich ist es schön, wenn man auch mal sieht, dass inhaltlich irgendwo Fortschritte erzielt werden, doch das ist insgesamt eher eine Seltenheit...
So, was noch? Wurde gestern von meinen Gemüsestandmädels zum Essen eingeladen. Nach mehrstündigem rumrühren, war das Ugali dann auch fertig und die stundenlange Vorarbeit lieferte mir dann ungefähr zwei Minuten großen Essspaß. Seinen Brei mit der Hand zu essen, ihn erst einmal zu kneten, etc. ist echt ein Vergnügen, doch die Maismehlwassermischung macht sofort satt. Laut den Tansaniern macht Ugali auch stark. Aber die sagen auch, dass ihre Pommes (Chipsi) stark machen ;) Man muss aber auch fairerweise sagen, dass es kaum dicke Männer gibt und das Essen tatsächlich nur bei wenigen so an (oder ein)schlägt wie bei mir. So viel Chipsi wie ich hier schon gegessen habe...da müsste ich Gewichtheber oder Ringer oder so etwas werden. Einmal unterhielt ich mich mit einem Tansanier über die feine Unterscheidung von stark und fett (die bei uns im Deutschen in dem herrlichen Wort "kräftig" ja auch sehr schwierig ist) und als ich meinen Bauch aufblähte und sagte "schau, wie stark mich das Essen hier macht!" stimmte er mir zu und blähte seinen Bauch ebenfalls auf. Das nur so nebenbei...
So, genug für heute und bis bald!
Viele werden sich fragen, warum ich schon wieder nach Malawi fahre. Dort muss ich mit David ein wenig planen und werde außerdem meine liebe Kollegin Anni gemeinsam mit Christina und Veronika treffen, die seit Wochen rumreisen. Aber das wird für mich nur von kurzer Dauer sein, denn mit dem Café steht hier einiges an Arbeit ins Haus! Und es ist nicht einmal sicher, ob ich überhaupt runterfahre. Muss mal ein bisschen Sparsamkeit an den Tag legen...
Die Landkarten habe ich nun abgeschlossen, ich fühle mich bereit, auch größere grafische Aufträge auf mich zu nehmen und überlege, ob ich etwas in diese Richtung studieren soll. Okay, das war eine ziemliche Lüge und für alle, die es interessiert: ich bewerbe mich auf Medizin und auf Bauingenieurwesen.
Gestern nahm ich an einem Workshop teil, der das Ziel hatte, tansaniaweite Standards für die Kaffeeproduktion festzulegen. Geleitet wurde die Veranstaltung natürlich von einem Europäer (der aber schon ewig hier lebt) und wie bei allen anderen Workshops oder Seminaren, die ich hier erlebt habe, ging die Sache irgendwie daneben. Da wird irgendeine wunderbare, lobenswerte und gut gemeinte Idee mittels komplexer Workshoptheorien (bevor ich herkam, wusste ich gar nicht, wie viele Arten es gibt, einen Managementplan zu erstellen, die Risiken einer Organisation zu bewerten, die Teilnehmer bei Laune zu halten – ein vorzügliches Frühstück!! – etc.) zu bearbeiten versucht, doch im Endeffekt verstehen alle Teilnehmer (meine Wenigkeit nicht ausgenommen) die Instruktionen falsch und nach mehrstündiger Gruppenarbeit sind nur nutzlose Resultate vorhanden. Das Ende des Workshops ist dann, wenn alle müde sind und das ist nicht nach 17:00...schließlich ist das Abendessen ja auch nicht mehr im Budget inbegriffen (obwohl die Spender die paar hundert Euro bestimmt locker machen würden...)...und die ganze Arbeit, die nicht geschafft wurde, übernimmt der Leiter des Workshops. Da könnte man sich den Workshop fast sparen, finde ich...aber wie gesagt, das Essen war echt gut, ich hatte ein paar sehr interessante Gespräche und fühlte mich am Abend durchaus bereichert. Für mich ist ja vieles immer noch ein Abenteuer, weshalb ich über inhaltliche Enttäuschungen locker wegsehen kann und andere Eindrücke und Erfahrungen für mich mitnehme. Natürlich ist es schön, wenn man auch mal sieht, dass inhaltlich irgendwo Fortschritte erzielt werden, doch das ist insgesamt eher eine Seltenheit...
So, was noch? Wurde gestern von meinen Gemüsestandmädels zum Essen eingeladen. Nach mehrstündigem rumrühren, war das Ugali dann auch fertig und die stundenlange Vorarbeit lieferte mir dann ungefähr zwei Minuten großen Essspaß. Seinen Brei mit der Hand zu essen, ihn erst einmal zu kneten, etc. ist echt ein Vergnügen, doch die Maismehlwassermischung macht sofort satt. Laut den Tansaniern macht Ugali auch stark. Aber die sagen auch, dass ihre Pommes (Chipsi) stark machen ;) Man muss aber auch fairerweise sagen, dass es kaum dicke Männer gibt und das Essen tatsächlich nur bei wenigen so an (oder ein)schlägt wie bei mir. So viel Chipsi wie ich hier schon gegessen habe...da müsste ich Gewichtheber oder Ringer oder so etwas werden. Einmal unterhielt ich mich mit einem Tansanier über die feine Unterscheidung von stark und fett (die bei uns im Deutschen in dem herrlichen Wort "kräftig" ja auch sehr schwierig ist) und als ich meinen Bauch aufblähte und sagte "schau, wie stark mich das Essen hier macht!" stimmte er mir zu und blähte seinen Bauch ebenfalls auf. Das nur so nebenbei...
So, genug für heute und bis bald!
Mittwoch, 21. April 2010
Arbeit!
Wer Ohren hat der höre! Seit Simon abgeflogen ist, bin ich tagtäglich, abgesehen vom Wochenende, im Büro. Primär bin ich zur Zeit dafür verantwortlich, von den Bauern gezeichnete Landkarten ihrer Kooperativen in den Computer zu übertragen und dort zu bearbeiten. Nachdem ich für die erste Karte noch mehrerer Tage bedurfte, hat sich das Arbeitstempo inzwischen vervielfacht und so langsam gehen mir die Karten aus...Doch das ist nicht weiter tragisch, denn es fallen immer wieder kleine PC-Probleme an, bei denen ich helfen kann oder es wird ein Partner für ein Brainsorming benötigt, und außerdem hat mir Grace die Aufgabe gegeben, mal über ein sehr spannendes Projekt zur Selbstfinanzierung nachzudenken: ein Biocafé in der Stadt! Da werde ich mich jetzt in den nächsten Tagen dran machen und schauen, was sich machen lässt. Schließlich wird die Klientel vermutlich eher auf meiner Wellenlänge sein, da sich nicht allzu viele Tansanier in die Cafés hier verirren.
Einerseits ist das mit Sicherheit eine Geldsache, andererseits setzt man sich hier aber auch einfach nicht zusammen, trinkt Kaffee und Tee und genießt den Feierabend oder den freien Tag. Zwar sitzen viele Leute den ganzen Tag über in den unzähligen lokalen Bars und Imbissbuden, doch wird dort fast ausschließlich gesoffen oder – so wie ich es zur Zeit meiner momentanen Fastenzeit tue – "Soda" (Cola, Fanta, Sprite getrunken). Und das, wo hier so viel Kaffee und Tee angebaut wird. Letzterer wird zumindest zum Frühstück noch konsumiert, wobei das häufig servierte Getränk viel Zucker, mit ein bisschen Tee und Milchpulver ist. Mir kommt das entgegen, ich war ja schon immer ein großer Fan von allem, was zu süß und etwas ungesund ist.
Wo ich gerade schon dabei bin, etwas vom Alltag und den Menschen hier zu erzählen: Simon merkte trotz all der sitzenden und trinkenden Menschen immer wieder an, wie seltsam die Tansanier doch seien, dass sie an jeder erdenklichen Stelle rumstehen. Nein, wenn man mit dem Daladala durch den Dschungel fährt, braucht man nicht zu fürchten, dass man verloren ist, denn nach ein paar Metern sieht man bestimmt jemanden irgendwo stehen. Die Damen, Herren, Kinder, Omas und Opas – ja, davon ist keine Altersgruppe auszuschließen – scheinen nicht auf dem Weg zu einem Ziel zu sein, sondern schlicht das Stehen zu genießen. Mir ist das noch nie so aufgefallen, doch wie auf so viele andere Dinge hat Simon mich darauf aufmerksam gemacht. Komisch. Noch komischer und meines Erachtens auch traurig ist es, dass es keine öffentlichen Sitzgelegenheiten gibt, Ausnahme Zanzibar und ganz wenige Stellen in Dar. Hier in Moshi gibt es nichts, was einer Plasa (oder Plaza?), wie Simon diese Plätze stets nannte, gleicht. Es gibt nicht eine einzige Sitzgelegenheit, die nicht zum Konsum eines Getränks verpflichtet. Das macht mir natürlich zu schaffen.
Zur Zeit bin ich mal alleine daheim. Letztes Mal war das im Dezember für zwei oder drei Tage der Fall und ich hatte ein echtes Tief. Diesmal ist Anni verreist und hat mit Veronika und Christina auch meine anderen beiden wichtigsten Damen von hier abgezogen. Also habe ich viel Zeit für mich, die Leute in meiner Umgebung, die Sprache, gute deutsche Bücher (ach, Narziß und Goldmund war großartig!) und eben das Büro. Es entsteht so langsam ein Alltag und nach mehr als sieben Monaten ist das ein wunderbares Gefühl! Morgens aufzuwachen (in der Regel immer ein bisschen zu spät, da der Wecker so leise ist und die Bücher abends einfach zu viel Zeit beanspruchen...ist aber auch nicht weiter schlimm, weil mein Ofen kaputt ist und mir deshalb morgens den Haferschleim mit Wasser aus dem Wasserkocher zubereite, was im Nu erledigt ist) und schemenhaft zu wissen, was der Tag so bringen wird und dann abends zu denken "jo, das hast du aber wieder gut gemacht, Hannes!" (das war jetzt wohl etwas übertrieben) – das beruhigt und befriedigt.
Es ist aber mitnichten so, dass mir langweilig würde. Als zumindest Christina noch hier war, sind wir zu zweit nach Arusha gefahren und frönten dem Luxus. Mit Sushi, Kino und "El Clasico" (Real Madrid – Barcelona) verbrachten wir einen tollen Tag. Letztes Wochenende lernte ich das Nachtleben Moshis mal mit anderen Leuten und ganz ohne einen Tropfen Alkohol kennen und konnte für mich selbst nachvollziehen, warum ich mir freitags oder samstags gerne mal den ein oder anderen Tropfen gegönnt habe. Bitte nicht missverstehen, das liegt nicht an den Leuten, sondern an den Locations.
Gestern war ich mit einem Freund abends essen, Hühnchen! Sehr interessant, da dieser Tansanier indischen Ursprungs unglaublich viel über dieses Land weiß und wir auch noch einen alten Freund von ihm trafen. Italiener, in der vierten Generation in Tansania, der auch sehr viel zu erzählen hatte. Immer wieder erfreue ich mich hier, was für spannende Leute und was für unglaubliche Geschichten man hier zu hören bekommt. Dass zum Beispiel im Süden Moshis früher riesige Wälder mit all den wilden Tieren, die es auch den Nationalparks gibt, wucherten, die aber alle in den letzten Jahrzehnten den Kohleproduzenten zum opfern fielen und mit deren Niedergang auch die Tierpopulationen ausgelöscht wurden. Ein Problem, dass ausnahmsweise mal nicht von den Kolonialisten gebracht wurde...
Ich merke, ich verliere langsam den Faden. Habe ich ihn überhaupt jemals gehabt? Nun denn, bis bald! Ich lade mal ein paar Fotos hoch...Gruß!
Einerseits ist das mit Sicherheit eine Geldsache, andererseits setzt man sich hier aber auch einfach nicht zusammen, trinkt Kaffee und Tee und genießt den Feierabend oder den freien Tag. Zwar sitzen viele Leute den ganzen Tag über in den unzähligen lokalen Bars und Imbissbuden, doch wird dort fast ausschließlich gesoffen oder – so wie ich es zur Zeit meiner momentanen Fastenzeit tue – "Soda" (Cola, Fanta, Sprite getrunken). Und das, wo hier so viel Kaffee und Tee angebaut wird. Letzterer wird zumindest zum Frühstück noch konsumiert, wobei das häufig servierte Getränk viel Zucker, mit ein bisschen Tee und Milchpulver ist. Mir kommt das entgegen, ich war ja schon immer ein großer Fan von allem, was zu süß und etwas ungesund ist.
Wo ich gerade schon dabei bin, etwas vom Alltag und den Menschen hier zu erzählen: Simon merkte trotz all der sitzenden und trinkenden Menschen immer wieder an, wie seltsam die Tansanier doch seien, dass sie an jeder erdenklichen Stelle rumstehen. Nein, wenn man mit dem Daladala durch den Dschungel fährt, braucht man nicht zu fürchten, dass man verloren ist, denn nach ein paar Metern sieht man bestimmt jemanden irgendwo stehen. Die Damen, Herren, Kinder, Omas und Opas – ja, davon ist keine Altersgruppe auszuschließen – scheinen nicht auf dem Weg zu einem Ziel zu sein, sondern schlicht das Stehen zu genießen. Mir ist das noch nie so aufgefallen, doch wie auf so viele andere Dinge hat Simon mich darauf aufmerksam gemacht. Komisch. Noch komischer und meines Erachtens auch traurig ist es, dass es keine öffentlichen Sitzgelegenheiten gibt, Ausnahme Zanzibar und ganz wenige Stellen in Dar. Hier in Moshi gibt es nichts, was einer Plasa (oder Plaza?), wie Simon diese Plätze stets nannte, gleicht. Es gibt nicht eine einzige Sitzgelegenheit, die nicht zum Konsum eines Getränks verpflichtet. Das macht mir natürlich zu schaffen.
Zur Zeit bin ich mal alleine daheim. Letztes Mal war das im Dezember für zwei oder drei Tage der Fall und ich hatte ein echtes Tief. Diesmal ist Anni verreist und hat mit Veronika und Christina auch meine anderen beiden wichtigsten Damen von hier abgezogen. Also habe ich viel Zeit für mich, die Leute in meiner Umgebung, die Sprache, gute deutsche Bücher (ach, Narziß und Goldmund war großartig!) und eben das Büro. Es entsteht so langsam ein Alltag und nach mehr als sieben Monaten ist das ein wunderbares Gefühl! Morgens aufzuwachen (in der Regel immer ein bisschen zu spät, da der Wecker so leise ist und die Bücher abends einfach zu viel Zeit beanspruchen...ist aber auch nicht weiter schlimm, weil mein Ofen kaputt ist und mir deshalb morgens den Haferschleim mit Wasser aus dem Wasserkocher zubereite, was im Nu erledigt ist) und schemenhaft zu wissen, was der Tag so bringen wird und dann abends zu denken "jo, das hast du aber wieder gut gemacht, Hannes!" (das war jetzt wohl etwas übertrieben) – das beruhigt und befriedigt.
Es ist aber mitnichten so, dass mir langweilig würde. Als zumindest Christina noch hier war, sind wir zu zweit nach Arusha gefahren und frönten dem Luxus. Mit Sushi, Kino und "El Clasico" (Real Madrid – Barcelona) verbrachten wir einen tollen Tag. Letztes Wochenende lernte ich das Nachtleben Moshis mal mit anderen Leuten und ganz ohne einen Tropfen Alkohol kennen und konnte für mich selbst nachvollziehen, warum ich mir freitags oder samstags gerne mal den ein oder anderen Tropfen gegönnt habe. Bitte nicht missverstehen, das liegt nicht an den Leuten, sondern an den Locations.
Gestern war ich mit einem Freund abends essen, Hühnchen! Sehr interessant, da dieser Tansanier indischen Ursprungs unglaublich viel über dieses Land weiß und wir auch noch einen alten Freund von ihm trafen. Italiener, in der vierten Generation in Tansania, der auch sehr viel zu erzählen hatte. Immer wieder erfreue ich mich hier, was für spannende Leute und was für unglaubliche Geschichten man hier zu hören bekommt. Dass zum Beispiel im Süden Moshis früher riesige Wälder mit all den wilden Tieren, die es auch den Nationalparks gibt, wucherten, die aber alle in den letzten Jahrzehnten den Kohleproduzenten zum opfern fielen und mit deren Niedergang auch die Tierpopulationen ausgelöscht wurden. Ein Problem, dass ausnahmsweise mal nicht von den Kolonialisten gebracht wurde...
Ich merke, ich verliere langsam den Faden. Habe ich ihn überhaupt jemals gehabt? Nun denn, bis bald! Ich lade mal ein paar Fotos hoch...Gruß!
Freitag, 9. April 2010
Ich lebe noch!
Samahani sana - ich bitte vielmals um Verzeihung, dass ich solange nicht mehr geschrieben habe. Vor knapp drei Wochen kam mein Bruder Simon hier an, am letzten Mittwoch verließ er mich wieder, in der Zwischenzeit waren Mails und Blog mal weitgehend verdrängt und sogar der inflationäre SMS-Wahn wurde runtergeschraubt - vor allem aus dem Grund, dass ich mein Handy verloren habe...
...ja, das waren zweieinhalb wunderbare Wochen. Viele Gespräche, viele Eindrücke aus einem anderen Blickwinkel, viele Erlebnisse. Vom "Moloch" Dar Es Salaam zu zwei Freiwilligen in die Pareberge, ohne Strom, in traumhaft schöner Natur gelegen, weiter nach Moshi, mein Umfeld vorstellen, bis nach Arusha, wo wir eine deutsche Familie besuchten, die seit fast 20 Jahren in Tansania lebt und dann über Dar bis nach Zanzibar. Das war ein sehr würdiger Abschluss für diese Zeit. Wir waren ausschließlich in Stone Town und obwohl ich bereits das dritte Mal da war, nahm ich die Stadt wieder ganz anders war. Simon war stets an den Geschichten der einfachen Leute, die wir in den Gassen dieses Städtchens trafen interessiert und so fungierte ich als Dolmetscher und hatte großen Spaß daran. Wen haben wir da nicht alles getroffen!? Einen jener Fußballer, die von Oli Pocher zwei Wochen als zanzibarisches Nationalteam trainiert wurden, einen Koranlehrer, der hobbymäßig das "Islamic Cultural Heritage of Zanzibar" betreibt und dessen Wohnung einem ziemlich chaotischen Museum gleicht, einen Schreiner, dessen Vater vor langer Zeit von der Kooperation zwischen DDR und Zanzibar profitierte und jahrelang als Dolmetscher im Osten fungierte und schließlich fanden wir noch eine lokale Bäckerei, wo wir uns in den folgenden Tagen stets ein frisches Brot aus dem Ofen erkauften. Im Kontrast zu jenen Unterhaltungen und zu den langen Spaziergängen stand dann unsere samstägliche Suche nach einer Bar, die Bundesliga überträgt, doch am Ende mussten wir auf ein Internetcafé ausweichen und verfolgten Dortmund-Bremen im Live-Stream. Es hat sich gelohnt :)
Zum Thema Fußball möchte ich mal einen kleinen Exkurs machen. Diese Sportart ist auf jeden Fall ganz klar die Nummer eins im Lande, obwohl das Nationalteam sagenhaft unerfolgreich ist (in der Qualifikation zur WM-Qualifikation gescheitert) und es weder eine Profiliga, noch gute Fußballplätze gibt. Zwar sympathisieren viele mit einem der Erstligateams, doch die englische Premier League und die europaweiten Wettbewerbe stehen im Vordergrund. Also ist ein jeder Tansaner, der sich mit Fußball beschäftigt, Fan von Chelsea, Manchester, Arsenal oder Liverpool. Bei Premier League und Champions League Spielen füllen sich die Bars zuverlässig und die Stimmung ist gut. Steht dann ein Spiel wie Barcelona gegen Arsenal (ui, das war wirklich großartig!) an, dann finden sich einerseits die Fans von Arsenal und andererseits jene, die Liverpool, Manchester oder Chelsea unterstützen. Diese sind dann für einen Abend ganz extatisch Barcelonafans und lachen die Arsenalfans aus, wenn ihr Team verliert, stellen sich vor sie, winken und sagen "Byebye!" und feiern, dass ihr Konkurrententeam aus dem Wettbewerb geflogen ist.
Zurück zu Simons Besuch. Was gibt es dazu noch zu sagen? Simon hat festgestellt, dass das tansanische Essen tatsächlich sehr "stark" macht und mindestens drei der zehn gewonnenen Kilo Muskelmasse in meinem Kinn zu finden sind. Außerdem habe ich beschlossen, bis zur WM eine Diät zu machen und auf Alkohol zu verzichten. Das sind noch gute neun Wochen, doch ich bin natürlich optimistisch!
Jetzt bin ich wieder in Moshi und es gibt ein bisschen Arbeit im Büro. Heute haben wir ein Brainstorming zu den Risiken der biologisch nachhaltigen Kaffeeproduktion gemacht. Das war recht interessant. Die tansanische Arbeitsweise ist schon anders, als in Deutschland, aber ich denke, da wir hier personell ohnehin nicht auf dem Zahnfleisch gehen, ist es nicht tragisch, wenn man zu dritt ein Brainstorming macht, das eigentlich bereits von einem von uns komplett durchgeführt wurde und das er uns lediglich noch einmal präsentierte. Aber es ist auch einfach schön, morgens aufzuwachen und zu wissen "jetzt gehe ich zur Arbeit". Dann kommt nicht gleich die Frage "Wie schlage ich mir jetzt den Tag um die Ohren, bis die anderen Freiwilligen alle frei haben und ich mich mit ihnen treffen kann?"
Bis bald! Grüße
...ja, das waren zweieinhalb wunderbare Wochen. Viele Gespräche, viele Eindrücke aus einem anderen Blickwinkel, viele Erlebnisse. Vom "Moloch" Dar Es Salaam zu zwei Freiwilligen in die Pareberge, ohne Strom, in traumhaft schöner Natur gelegen, weiter nach Moshi, mein Umfeld vorstellen, bis nach Arusha, wo wir eine deutsche Familie besuchten, die seit fast 20 Jahren in Tansania lebt und dann über Dar bis nach Zanzibar. Das war ein sehr würdiger Abschluss für diese Zeit. Wir waren ausschließlich in Stone Town und obwohl ich bereits das dritte Mal da war, nahm ich die Stadt wieder ganz anders war. Simon war stets an den Geschichten der einfachen Leute, die wir in den Gassen dieses Städtchens trafen interessiert und so fungierte ich als Dolmetscher und hatte großen Spaß daran. Wen haben wir da nicht alles getroffen!? Einen jener Fußballer, die von Oli Pocher zwei Wochen als zanzibarisches Nationalteam trainiert wurden, einen Koranlehrer, der hobbymäßig das "Islamic Cultural Heritage of Zanzibar" betreibt und dessen Wohnung einem ziemlich chaotischen Museum gleicht, einen Schreiner, dessen Vater vor langer Zeit von der Kooperation zwischen DDR und Zanzibar profitierte und jahrelang als Dolmetscher im Osten fungierte und schließlich fanden wir noch eine lokale Bäckerei, wo wir uns in den folgenden Tagen stets ein frisches Brot aus dem Ofen erkauften. Im Kontrast zu jenen Unterhaltungen und zu den langen Spaziergängen stand dann unsere samstägliche Suche nach einer Bar, die Bundesliga überträgt, doch am Ende mussten wir auf ein Internetcafé ausweichen und verfolgten Dortmund-Bremen im Live-Stream. Es hat sich gelohnt :)
Zum Thema Fußball möchte ich mal einen kleinen Exkurs machen. Diese Sportart ist auf jeden Fall ganz klar die Nummer eins im Lande, obwohl das Nationalteam sagenhaft unerfolgreich ist (in der Qualifikation zur WM-Qualifikation gescheitert) und es weder eine Profiliga, noch gute Fußballplätze gibt. Zwar sympathisieren viele mit einem der Erstligateams, doch die englische Premier League und die europaweiten Wettbewerbe stehen im Vordergrund. Also ist ein jeder Tansaner, der sich mit Fußball beschäftigt, Fan von Chelsea, Manchester, Arsenal oder Liverpool. Bei Premier League und Champions League Spielen füllen sich die Bars zuverlässig und die Stimmung ist gut. Steht dann ein Spiel wie Barcelona gegen Arsenal (ui, das war wirklich großartig!) an, dann finden sich einerseits die Fans von Arsenal und andererseits jene, die Liverpool, Manchester oder Chelsea unterstützen. Diese sind dann für einen Abend ganz extatisch Barcelonafans und lachen die Arsenalfans aus, wenn ihr Team verliert, stellen sich vor sie, winken und sagen "Byebye!" und feiern, dass ihr Konkurrententeam aus dem Wettbewerb geflogen ist.
Zurück zu Simons Besuch. Was gibt es dazu noch zu sagen? Simon hat festgestellt, dass das tansanische Essen tatsächlich sehr "stark" macht und mindestens drei der zehn gewonnenen Kilo Muskelmasse in meinem Kinn zu finden sind. Außerdem habe ich beschlossen, bis zur WM eine Diät zu machen und auf Alkohol zu verzichten. Das sind noch gute neun Wochen, doch ich bin natürlich optimistisch!
Jetzt bin ich wieder in Moshi und es gibt ein bisschen Arbeit im Büro. Heute haben wir ein Brainstorming zu den Risiken der biologisch nachhaltigen Kaffeeproduktion gemacht. Das war recht interessant. Die tansanische Arbeitsweise ist schon anders, als in Deutschland, aber ich denke, da wir hier personell ohnehin nicht auf dem Zahnfleisch gehen, ist es nicht tragisch, wenn man zu dritt ein Brainstorming macht, das eigentlich bereits von einem von uns komplett durchgeführt wurde und das er uns lediglich noch einmal präsentierte. Aber es ist auch einfach schön, morgens aufzuwachen und zu wissen "jetzt gehe ich zur Arbeit". Dann kommt nicht gleich die Frage "Wie schlage ich mir jetzt den Tag um die Ohren, bis die anderen Freiwilligen alle frei haben und ich mich mit ihnen treffen kann?"
Bis bald! Grüße
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