Seit Freitag bin ich wieder in meiner Stadt, in neuem Zimmer in der Innenstadt und genieße die Planungssicherheit des Sesshaften. Wo schlafe ich morgen? Wann esse ich wo? Verträgt sich die Portion Reis auch mit den weiteren sechs Stunden pausenloser Busfahrt? Wo dusche ich das nächste Mal? Wann kann ich mal meine Klamotten waschen? Kann ich es wagen mit dem Rucksack im Dunkeln allein rumzurennen? Ist es gefährlich in Badeschlappen mit Rucksack auf dem Rücken und Zelt und Tasche in den Händen mit fünfzig Km/h, ohne Helm auf einem kleinen Motorrad auf der Schotterstraße in Serpentinen runterzufahren? Sollte ich für den zehnfachen Preis ein Taxi nehmen?
Fragen über Fragen...eine Antwort fand sich immer. Ob das dann auch die schlaueste war, lässt sich beispielsweise am Beispiel der letzten sehr kontrovers diskutieren. Aber hier sei erwähnt, dass es in Uganda fast gar kein anderes Verkehrsmittel gibt. Gut, das war vielleich gelogen, doch das Motorrad fährt überall hin und egal, wo man sich befindet, ein Boda-Boda (so der Name der Motorradtaxis) findet sich überall. Und was macht man, wenn man acht Kilometer außerhalb des beschaulichen Jinjas auf einem Campingplatz oberhalb des riesigen Nils Zeltet. Nein, Minibusse gibt es da nicht :) Ja, Jinja war schon ein schöner Ort. Während David dort seine Bakterien aus Blut und Stuhl bekämpfte, kämpfte ich in den Stromschnellen des Nils gegen das Wasser oder rutschte auf einem Colakasten eine sechs Meter lange Betonrutsche runter, um dann aus dreieinhalb Meter Höhe in den Nil zu springen.
Für unseren gesamten Ugandaaufenthalt lässt sich sagen, dass wir ziemlich wenig mit den Einheimischen in Kontakt waren. In Jinja redeten wir einmal über eine Stunde mit einem Einheimischen über das zum Scheitern verurteilte Bildungssystem der Afrikaner, über den Einfluss der Religion (er ist mit 18 aus dem Islam raus und bis heute der Überzeugung, dass die Weltreligionen Afrika nur ausnehmen), über Panafrikanismus und noch vieles mehr. Aber ansonsten hielten wir uns aus Budgetgründen immer auf Campingplätzen auf und die liegen ja meistens etwas ab vom Schuss, sodass man einfach dort liegen oder sitzen bleibt und liest, sich mit anderen Reisenden, den Inhabern (meist auch keine Einheimischen) oder dem Personal unterhält oder einfach die Schönheit der Natur genießt. Ob in Jinja, auf den Ssese Islands oder am Lake Bunyonyi, überall waren wir in atemberaubend schöner Umgebung. In Jinja campten wir wie gesagt am Ufer des Nils und blickten von einer schönen Terrasse auf den riesigen Fluss hinunter. Auf den Ssese Islands auf einer schönen Wiese direkt am Strand, ließ sich der dauerhafte Sonnenschein, sowie der wunderbare Sonnenuntergang im Lake Vicotria genießen. Und am Lake Bunyonyi nächtigten wir auf einer Insel, mitten in dem sauberen, dunklen Wasser, zwischen den steilen Hängen der allgegenwärtigen Berge und unter dem permanenten Wolkenschirm. Ja, es war wirklich sehr märchenhaft.
Vor Uganda waren wir logischerweise (man nehme eine Karte zur Hand) in Kenia. Dort beließen wir es hauptsächlich bei Nairobi. Die Stadt hat mich echt ziemlich umgehauen. Bartholomäus Grill, dessen Buch “Ach, Afrika!” auf dieser Reise genoss, schreibt, auf ein Zitat Musevenis (ugandischer Präsident) aufbauend, dass ohne eine Mittelschicht keine nachhaltige Entwicklung in Afrika stattfinden wird und dass Nairobi eines der gantz wenigen Exempel für ein solches Gesellschaftsphänomen ist. Den Eindruck hatte ich auch. Es war praktisch wie in einer europäischen Großstadt. Die Hautfarbe war halt anders und als wir uns das Spiel Deutschland – Spanien ansahen, merkten wir auch, dass die Leute innen drin noch ihre ursprüngliche Heiterkeit besitzen. Was in Nairobi auf den Straßen los war, war enorm. Überall Autos, viel Stau und Menschenmassen, wie ich sie vielleicht in Chicago, aber noch nirgendwo in Europa gesehen habe. Da war ich echt beeindruckt. Am besten in Erinnerung geblieben, ist mir die Gastfreundschaft von Abigail, einer kenianischen Studentin, die ich auf Zanzibar kennengelernt hatte und die uns bei sich wohnen ließ, die Orientierungslosigkeit von David und mir und die herrlichen Minibusfahrten. Die Matatus, so heißen die Büsschen in Kenia und Uganda, in Nairobi sind nicht zu vergleichen mit den tansanischen Daladalas. Keiner steht, es ist Schwarzlicht an und währen man im Stau steht und man aus dem Fenster sieht, dröhnt aus einer Tip-Top-Musikanlage Raggae und Hip-Hop, den man aufgrund der riesigen Bassboxen im ganzen Körper spürt. Da will man gar nicht mehr aussteigen!
Nach Uganda folgte zum Abschluss Ruanda. Dort waren wir bei Porres, einem Cousin Grace's eingeladen, der in Kigali wohnt. Das war dann nach all den Campingplätzen wieder etwas vollkommen anderes und ließ uns für ein paar Tage aus dem Backpackertrott heraus in den afrikanischen Alltag eintauchen. Vier Familien, ein Klo, ein Wasserhan auf Hüfthöhe, alle haben einen Hausjungen – ja, die Standards sind unterschiedlich. Faszinierend war, wie gebildet und weltoffen Porres und all seine Freunde waren. Sie konnten uns so einiges über die ruandische Politik und den Befreiungshelden Paul Kagame erzählen und waren in Sachen deutscher und Weltpolitik unglaublich neugierig, was wir so sagen. Beeindruckend war auch, wie gut wir mit den Jungs über den Genozid reden konnten. Das kann aber auch daran liegen, dass sie und ihre Eltern zu jener Zeit alle im Exil in Uganda waren und dann erst Mitte oder Ende der Neunziger nach Ruanda kamen.
Ja, der Genozid. Ein Museum europäischen Standards erinnert daran und hat mich echt geschockt. Bilder von Kirchen, in denen Stunden lang, Reihe für Reihe, ein Hilfesuchender nach dem anderen, mit der Machete abgeschlachtet wird, Geschichten von Kindern, die zerstückelt oder einfach gegen eine Wand geschmissen wurden, Menschen, denen die Beine verletzt oder abgeschnitten werden, sodass man sie in Ruhe liegen und leiden lassen kann, um Tage später zurückzukommen und den Todesstoß zu geben. Schrecklich!
Und dann sieht man das heutige Ruanda. Gerade einmal sechzehn Jahre später. Hochhäuser schießen in Kigali aus dem Boden, das Straßennetz ist so ausgebaut, dass der Verkehr, verglichen mit Nairobi oder Dar ungefähr so wirkt wie der Verkehr in Geisenheim-Johannisberg verglichen mit dem Wiesbadener Kreuz. Große, beleuchtete Straßen, Palmen auf dem Mittelstreifen, Ampeln, gute Busse – alles Zeichen wirtschaftlicher Entwicklung. Der Mann hinter dieser Entwicklung ist Paul Kagame. Das ist zumindest, was David und ich erfahren haben. Polizisten und Ministerialbeamte, mit denen wir zusammenlebten, stellen ja nicht immer die objektivste Quelle in Sachen Politik dar. Und am 09.08., in nicht einmal einer Woche, wird er alle Voraussicht wiedergewählt. Überall starrte er uns durch seine Brillengläser hindurch an, auf den Straßen tanzten Leuten in seinen T-Shirts und anstatt wütend zu hupen und vorbeizurasen stimmten die Autofahrer lachend in die Wahlkampagnienparties ein und hupten munter mit. Hört man davon etwas in Deutschland? Wie ruhig und gesittet es in Ruanda vor der Wahl zugeht? Vermutlich interessiert das wieder keinen...nach den Granatenanschlägen im März oder April wurde die Militär- und Polizeipräsenz auf jeden Fall aufgestockt und seitdem geht es echt friedlich zu. Ist ja auch mal eine Meldung wert, oder?!?
Für zwei Tage fuhren David und ich dann noch an den Lake Kivu, in das Grenzstädtchen Gisenyi. Da oben ist alles sau teuer! Noch teurer war es dann in Goma, im Kongo, wo wir einen Tag lang rumspazierten. Dort wird dann auch am besten in Dollar bezahlt. Kein Wunder, wenn man sieht, wie viele UN-Soldaten dort rumhüpfen oder in den unzähligen UN-Jeeps (wer diese Autos sieht, der kann der UN Inkonsequenz im “Klimakampf” vorwerfen oder die kongolesische Straßenbaubehörde für ihre Dschungelstraßen ankreiden) rumkutschiert werden. Diese Seuchenstadt (seit dem Genozid 1994, wo alle Flüchtlinge dort hinkamen, gab es zwei Bürgerkriege, eine Choleraepidemie und einen Vulkanausbruch) ist in ihrem Gesamtbild echt hässlich und ziemlich grotesk. Neben der dreckigen Hauptstraße erstrecken sich unzählige Villen und überall werden noch mehr von diesen Palästen hochgezogen. Nette Säulen in der Fassade, schöne Dachziegel, riesiges Grundstück mit ebenso gigantischer Mauer und Stacheldrahtzaun – und um die Ecke schreit die Armut. Naja, immerhin schafft die UN Arbeitsplätze im Baugewerbe!
Nach Gisenyi/Goma kehrten wir noch für eine Nacht in Kigali bei Porres ein und machten uns dann auf einen langen Rückweg. Erster Tag: Kigali – Grenze – Kahama (hier schliefen wir für 2,50€ pro Person in einem Riesenbett, hatten ein eigenes Bad und einen Fernseher mit so viel Privatsendern, dass wir das Spiel um Platz drei der Fußball-WM nochmal sehen konnten). Zweiter Tag: Kahama – Dodoma. Dritter Tag: Dodoma – Moshi. Am Ziel! David fuhr von Kahama nach Morogoro, weiter nach Mbeya und dann nach Malawi rein und war einen Tag später am Ziel.
Ja, am Ende dieser großartigen Zeit war ich echt fertig und glücklich, wieder in Moshi zu sein. Jetzt ist noch ein Monat verblieben und dann werde ich auch schon wieder zurück in Deutschland sein. Die Vorfreude ist groß, die Lust, Moshi jetzt einfach noch einen Monat lang ganz gemütlich zu genießen aber auch.
Dienstag, 3. August 2010
Montag, 12. Juli 2010
Alles gut
Momentan bin ich auf Reise durch Ostafrika, weshalb meine WM-Berichterstattung leider ausfiel. Dritter, okay. Und im Nachhinein bin ich auch ganz froh, dass das Spiel um Platz drei nicht gegen Ghana war.
Jetzt melde ich mich nur kurz, um zu sagen, dass der ganze Mist, der in der vergangenen Nacht in Kampala geschehen ist, mich nicht betroffen hat. Ich bin in Jinja, an den Quellen des Nils, war gestern raften und warte gemeinsam mit David darauf, dass sein Magen wieder anstaendig arbeitet. Diesem Magen ist es zu verdanken, dass wir gestern nicht in Kampala waren. Geplant war, das Finale dort zu schauen, doch die Scheisserei verhinderte jegliche Busfahrt. Jaja, Schicksal vielen Dank :)
Jetzt melde ich mich nur kurz, um zu sagen, dass der ganze Mist, der in der vergangenen Nacht in Kampala geschehen ist, mich nicht betroffen hat. Ich bin in Jinja, an den Quellen des Nils, war gestern raften und warte gemeinsam mit David darauf, dass sein Magen wieder anstaendig arbeitet. Diesem Magen ist es zu verdanken, dass wir gestern nicht in Kampala waren. Geplant war, das Finale dort zu schauen, doch die Scheisserei verhinderte jegliche Busfahrt. Jaja, Schicksal vielen Dank :)
Freitag, 2. Juli 2010
Die Viertelfinals stehen vor der Tür. Die ganze Welt schaut auf Südafrika, das dieses Jahr von den Südamerikanern erobert wird. Faszinierend, was sich bei einer gewissen Neugier alles in Erfahrung bringen lässt. Auf meiner derzeit wohl wichtigsten Internetseite, kicker.de, konnte ich zum Beispiel in Erfahrung bringen, was die Deutschen Jungs in der Zeit von Donnerstag bis Samstag Nacht so treiben. Samstag, 23.30 Abend-Snack und Gute-Nacht-Getränk...soso...aber mich persönlich beschäftigt auch noch einiges anderes. Morgen Abend kommt endlich David aus Malawi hoch. Und am Sonntag oder Montag brechen wir dann gen Norden auf. Kenia, Uganda, Ruanda und was uns noch so in den Sinn kommt. Die Blogaktualität wird dann wohl ein wenig leiden, doch ich werde selbstverständlich mein Bestes geben, die Leser bei Laune zu halten ;)
So langsam kommt auch Abschiedsstimmung auf. Zwei Monate noch, einer davon auf Reise, drei Wochen Moshi und dann noch eine Woche Dar, von wo aus dann auch der Flieger abhebt. Und dann ist's auch schon wieder rum. Und aus meiner Wohnung in Karanga ziehe ich schon morgen aus. Anni ist auch auf Reise und kehrt nur noch für einen Tag zurück und ich werde nach der Reise zu einem Freund in der Stadtmitte, Ajay sein Name, ziehen. Freue mich darauf! Und meine Freunde aus Karanga werde ich trotzdem täglich sehen, da dort ja auch das Büro ist. À propos Büro: zur Zeit wird dort auf Hochtouren gearbeitet, da das Kaffeeprojekt nun für die nächsten drei Jahre angesetzt werden soll und deshalb alle Formalia mit den Spendern zu klären sind. Deshalb ist auch die Chefin aus Dar hergekommen und weilt nun schon seit zwei Wochen unter uns. Das sonst so angenehme Büroklima ist dadurch etwas kälter geworden, leider scheint die Arbeit aber nicht so wie gedacht voranzugehen. Eigentlich wollte Loyce nur drei der vier Tage bleiben.
Zur angespannten Lage eine kleine Geschichte: Loyce wollte für zwei Tage nach Arusha fahren und am heutigen Freitag wiederkommen. Als ich gestern verspätet ins Büro kam, war keiner da. Zehn Minuten nach mir tauchte dann aber überraschenderweise Loyce auf. Sie fragte auch gleich nach Grace und Mariki, die mit ihr an dem Projektvorschlag arbeiten. Ich sagte, dass sie in der Stadt seien, lief aus dem Büro und rief Grace an. Die fiel aus allen Wolken (sie hatte davor jeden Tag mit Loyce zusammengesessen – inklusive Wochenende – und freute sich über die Pause), rief Mariki an und stand kurz darauf auf der Matte. Später erzählte sie mir, dass sie erst dachte, ich hätte sie aus Langeweile reingelegt, damit ich nicht alleine im Büro bin.
So viel zum Büro. Irgendwann werde ich mal auch auf die Arbeitsweise der NGOs und der Spender eingehen, die mich immer wieder schockt, doch dafür werde ich einen eigenen Eintrag verfassen. Darüber könnte ich mich bücherweise auslassen...
...zurück zum Fußball. Es scheint schon wieder eine Ewigkeit her zu sein, dieses Fußballfest vom letzten Sonntag. 4:1 gegen unsere lieben Freunde aus England!!! Da stand auch das East Africa Kopf. Ein paar Englandanhänger fanden sich unter den Tansaniern, doch das Gros hielt zu Deutschland. Dazu kamen noch fünf andere Deutsche. Ach, die Stimmung war prächtig, obwohl natürlich alle irgendwelche Bestechungsvorwürfe gegenüber dem Schiri äußerten. Das legte sich aber dann auch und nach dem 4:1 war Thomas Müller der Held des Abends (über jenen großartigen Fußballer sagte eine Afrikanerin: "He looks a bit chinese. But I think, he has just an ugly face, isn't it?"). Da die anderen Deutschen alle direkt abzogen, ohne diesen denkwürdigen Sieg zu feiern, blieb ich mit ein paar Tansaniern zurück, die mich auf das ein oder andere Bier und zum Freudentanz zu afrikanischer Musik einluden. Ja, es war schön.
Nun liegen natürlich alle Hoffnungen auf dem morgigen Spiel gegen Argentinien und die Unterstützung der Tansanier scheint groß zu sein. Was kann da noch schief gehen!? Achja, Ghana sollte auch weiterkommen, sonst werden wohl morgen gar keine Fußballspiele mehr übertragen. Das, was auch deutsche Zeitungen schreiben, dass die ganze Hoffnung Afrikas auf Ghana liegt, klingt zwar übertrieben, ist aber wahr. Alle fiebern mit!
So, Gruß und bis bald!
So langsam kommt auch Abschiedsstimmung auf. Zwei Monate noch, einer davon auf Reise, drei Wochen Moshi und dann noch eine Woche Dar, von wo aus dann auch der Flieger abhebt. Und dann ist's auch schon wieder rum. Und aus meiner Wohnung in Karanga ziehe ich schon morgen aus. Anni ist auch auf Reise und kehrt nur noch für einen Tag zurück und ich werde nach der Reise zu einem Freund in der Stadtmitte, Ajay sein Name, ziehen. Freue mich darauf! Und meine Freunde aus Karanga werde ich trotzdem täglich sehen, da dort ja auch das Büro ist. À propos Büro: zur Zeit wird dort auf Hochtouren gearbeitet, da das Kaffeeprojekt nun für die nächsten drei Jahre angesetzt werden soll und deshalb alle Formalia mit den Spendern zu klären sind. Deshalb ist auch die Chefin aus Dar hergekommen und weilt nun schon seit zwei Wochen unter uns. Das sonst so angenehme Büroklima ist dadurch etwas kälter geworden, leider scheint die Arbeit aber nicht so wie gedacht voranzugehen. Eigentlich wollte Loyce nur drei der vier Tage bleiben.
Zur angespannten Lage eine kleine Geschichte: Loyce wollte für zwei Tage nach Arusha fahren und am heutigen Freitag wiederkommen. Als ich gestern verspätet ins Büro kam, war keiner da. Zehn Minuten nach mir tauchte dann aber überraschenderweise Loyce auf. Sie fragte auch gleich nach Grace und Mariki, die mit ihr an dem Projektvorschlag arbeiten. Ich sagte, dass sie in der Stadt seien, lief aus dem Büro und rief Grace an. Die fiel aus allen Wolken (sie hatte davor jeden Tag mit Loyce zusammengesessen – inklusive Wochenende – und freute sich über die Pause), rief Mariki an und stand kurz darauf auf der Matte. Später erzählte sie mir, dass sie erst dachte, ich hätte sie aus Langeweile reingelegt, damit ich nicht alleine im Büro bin.
So viel zum Büro. Irgendwann werde ich mal auch auf die Arbeitsweise der NGOs und der Spender eingehen, die mich immer wieder schockt, doch dafür werde ich einen eigenen Eintrag verfassen. Darüber könnte ich mich bücherweise auslassen...
...zurück zum Fußball. Es scheint schon wieder eine Ewigkeit her zu sein, dieses Fußballfest vom letzten Sonntag. 4:1 gegen unsere lieben Freunde aus England!!! Da stand auch das East Africa Kopf. Ein paar Englandanhänger fanden sich unter den Tansaniern, doch das Gros hielt zu Deutschland. Dazu kamen noch fünf andere Deutsche. Ach, die Stimmung war prächtig, obwohl natürlich alle irgendwelche Bestechungsvorwürfe gegenüber dem Schiri äußerten. Das legte sich aber dann auch und nach dem 4:1 war Thomas Müller der Held des Abends (über jenen großartigen Fußballer sagte eine Afrikanerin: "He looks a bit chinese. But I think, he has just an ugly face, isn't it?"). Da die anderen Deutschen alle direkt abzogen, ohne diesen denkwürdigen Sieg zu feiern, blieb ich mit ein paar Tansaniern zurück, die mich auf das ein oder andere Bier und zum Freudentanz zu afrikanischer Musik einluden. Ja, es war schön.
Nun liegen natürlich alle Hoffnungen auf dem morgigen Spiel gegen Argentinien und die Unterstützung der Tansanier scheint groß zu sein. Was kann da noch schief gehen!? Achja, Ghana sollte auch weiterkommen, sonst werden wohl morgen gar keine Fußballspiele mehr übertragen. Das, was auch deutsche Zeitungen schreiben, dass die ganze Hoffnung Afrikas auf Ghana liegt, klingt zwar übertrieben, ist aber wahr. Alle fiebern mit!
So, Gruß und bis bald!
Freitag, 25. Juni 2010
Mit der Taktzahl meiner Blogeinträge in der ersten WM-Woche habe ich die Latte wohl ein bisschen zu hoch gelegt. Ganz so oft kann ich nun auch nicht schreiben. Es ist nicht so, dass ich dazu keine Zeit hätte, doch ich genieße meine Freiheit lieber mit anderen Leuten, als mit dem Computer, sodass Blog und Mails und Internet überhaupt momentan recht kurz kommen. Man möge mir das nachsehen.
Ja, die Freizeit mit anderen Leuten verbringen. In der Regel heißt das entweder, am Gemüsestand chillen oder im East Africa Fußball schauen. Auf letzteres komme ich nun kurz zu sprechen, bevor ich mich dann meine Ladies vom Gemüsestand etwas ausführlicher widmen möchte.
Deutschland – Serbien war ein Graus! Nicht, dass es fußballerisch nicht anzusehen war, doch die schadenfrohen Tansanier gingen mir an diesem Nachmittag tierisch auf die Nerven! Aber dass die Fußballfankultur hier nicht meinem Ideal entspricht, hatte ich ja bereits erwähnt. Dass ein afrikanisches Team nach dem anderen die Koffer packt, schürt die Euphorie nicht unbedingt an. Und obwohl Ghana die nächste Runde erreichte, war beim Spiel Deutschland – Ghana nichts los. Nur eine Gruppe Deutscher und vereinzelt sitzende Tansanier verirrten sich ins East Africa. Deutschland scheint aber generell kein Publikumsmagnet zu sein. Da fehlen schließlich die großen internationalen Stars. Ist aber nicht schlimm, so bekomme ich wenigstens immer einen wunderbaren Sitzplatz und Deutschland gewinnt ja auch so
Wohl noch spannender als die WM ist der derzeit in Moshi stattfindende East Africa Cup. 1200 Schüler aus Uganda, Kenia, Tansania, Ruanda, Burundi und Sambia tragen hier die Fußballmeisterschaften Ostafrikas für Mädchen und Jungs aller Altersklassen aus. Ich habe einen Tag vorbeigeschaut und mich an den vielen unterschiedlichen Menschen und dem Fußball erfreut. Da ich momentan im Büro mit Computerarbeit ziemlich beschäftigt bin, kam ich leider nicht zu einem zweiten Besuch. Morgen sind allerdings die Finals und da werde ich keinesfalls fehlen. Berichte werden folgen.
Überhaupt finde ich das interessant und beschämend zugleich, dass hier, wo es eine handvoll Teerstraßen und noch weniger gescheite Fußballplätze gibt, eine solch riesige Meisterschaft gibt, während in Deutschland solche Wettbewerbe immer von den gleichen zwei, drei Schulen aus dem Kreis wahrgenommen werden und die Resonanz meist ziemlich erbärmlich ist. Ist ja nicht so, als hätten wir infrastrukturelle Probleme, geschweige denn mangelndes Interesse an Sport. Schulsport ist halt leider nicht groß in Deutschland...
Nun zurück zum Gemüsestand. Dort hänge ich eigentlich fast jeden Tag ab. Eine Mittagspause und dann vor allem nach der Arbeit oder nachdem ich in der Stadt war. Täglich bis abends um acht liegen Obst und Gemüse auf den Holzplanken unter dem Wellblechdach. Gekauft habe ich dort aber schon ewig nichts mehr. Ich sitze immer auf der Bank neben dem Holzstand und unterhalte mich mit Vero, Mama Lea, Salome, Anna oder einem ihrer Gäste. Mama Lea führt den Laden mit eiserner Hand und ist eine herzensgute Frau. Ihre älteste Tochter, die dreizehnjährige (wer hätte gedacht, dass sie so heißt) Lea hilft zur Zeit auch kräftig mit. Anna ist im Urlaub, Schule ist in der vergangenen Woche nicht gewesen, da müssen die Jüngeren auch ran.
Anna ist immer ziemlich lustig und lässt recht wenig Ernstes von sich. Genauso alt wie ich, jedoch allein erziehende Mutter eines zweijährigen Jungens, führt sie doch ein recht hartes Leben. Dass sie trotzdem so viel rumblödelt macht sie umso sympathischer.
Salome ist genauso alt und hat auf jeden Fall die schwärzeste Haut von allen. Sie albert auch recht viel rum und wirkt offen gestanden auch nicht immer neunzehn Jahre alt. Vor allem, wenn man sie mit der guten Vero vergleicht. Die ist zwanzig und Schwester von Anna und Mama Lea. Sie ist wohl eine der ganz wenigen Tansanier, wo ich sagen würde, einen echten Freund (ich meine Freundin) gefunden zu haben. Ein unglaublich vernünftiges, bescheidenes und nettes Mädchen. Sie ist auch die, die immer sagt, dass sie nur für Besuche nach Europa wollen würde und die zwar Interesse an meiner Lebensart zeigt, vieles aber komisch oder abstoßend findet. Besonders die Verschlossenheit der Weißen schreckt sie ab. Dass sie aber trotzdem Interesse an Deutschland ("Wofür stehen denn eigentlich die Farben eurer Nationalflagge?!? Das Schwarz der tansanischen Flagge steht für unsere Hautfarbe, aber ihr seid doch weiß!") und der ganzen nördlichen Hemisphäre zeigt, erfreut mich immer wieder.
Dass sind jetzt einige Damen. Dass an einem kleinen Gemüsestand nicht genug Arbeit für alle ist, kann man sich denken. Aber der Stand ist auch nur eine Nebeneinnahme, glaube ich. Primär verdienen sie sich ihr Geld durch ihre Kochkünste. Im benachbarten Gefängnis sitzen nämlich vier kenianische Bankräuber, die noch einige Reserven ihrer Beute besitzen und keinen Appetit auf das Gefängnisessen haben und Mama Lea und ihr Team täglich zweimal mit Essen einlaufen lassen. Morgens gibt es Frühstück und mittags kommt eine große Ladung für den Rest des Tages. Die Unmengen Essen, die die vier verspeisen, machen mich echt immer wieder neugierig, wie dick sie wohl sind. Neben Essen werden auch Zeitungen reingebracht. Erzählungen zufolge leben die Herren ein sehr entspanntes Leben.
Ja, ich bin echt froh, diese Mädels getroffen zu haben. Keine spricht auch nur mehr als zwei zusammenhängende Worte Englisch, was ein wunderbares Kiswahilitraining für mich ist und wir verstehen uns einfach gut. Ich denke auch, dass die Freude durchaus nicht nur von meiner Seite aus kommt, denn wenn der blonde Weiße den Weg vom Daladala bis zum Gemüsestand, zur Musik der Bar singend, angetanzt kommt, ist das für alle Zuschauer wunderbare Unterhaltung. Und all die Geschichten, die ich von daheim mitbringe oder hier in Tansania erlebe, erfreuen die Mädels immer sehr.
So, Freunde der Nacht, bevor das Spiel Brasilien – Portugal beginnt, möchte ich grade noch einmal am Gemüsestand grüßen. Es eilt!
Liebe Grüße nach Deutschland
Ja, die Freizeit mit anderen Leuten verbringen. In der Regel heißt das entweder, am Gemüsestand chillen oder im East Africa Fußball schauen. Auf letzteres komme ich nun kurz zu sprechen, bevor ich mich dann meine Ladies vom Gemüsestand etwas ausführlicher widmen möchte.
Deutschland – Serbien war ein Graus! Nicht, dass es fußballerisch nicht anzusehen war, doch die schadenfrohen Tansanier gingen mir an diesem Nachmittag tierisch auf die Nerven! Aber dass die Fußballfankultur hier nicht meinem Ideal entspricht, hatte ich ja bereits erwähnt. Dass ein afrikanisches Team nach dem anderen die Koffer packt, schürt die Euphorie nicht unbedingt an. Und obwohl Ghana die nächste Runde erreichte, war beim Spiel Deutschland – Ghana nichts los. Nur eine Gruppe Deutscher und vereinzelt sitzende Tansanier verirrten sich ins East Africa. Deutschland scheint aber generell kein Publikumsmagnet zu sein. Da fehlen schließlich die großen internationalen Stars. Ist aber nicht schlimm, so bekomme ich wenigstens immer einen wunderbaren Sitzplatz und Deutschland gewinnt ja auch so
Wohl noch spannender als die WM ist der derzeit in Moshi stattfindende East Africa Cup. 1200 Schüler aus Uganda, Kenia, Tansania, Ruanda, Burundi und Sambia tragen hier die Fußballmeisterschaften Ostafrikas für Mädchen und Jungs aller Altersklassen aus. Ich habe einen Tag vorbeigeschaut und mich an den vielen unterschiedlichen Menschen und dem Fußball erfreut. Da ich momentan im Büro mit Computerarbeit ziemlich beschäftigt bin, kam ich leider nicht zu einem zweiten Besuch. Morgen sind allerdings die Finals und da werde ich keinesfalls fehlen. Berichte werden folgen.
Überhaupt finde ich das interessant und beschämend zugleich, dass hier, wo es eine handvoll Teerstraßen und noch weniger gescheite Fußballplätze gibt, eine solch riesige Meisterschaft gibt, während in Deutschland solche Wettbewerbe immer von den gleichen zwei, drei Schulen aus dem Kreis wahrgenommen werden und die Resonanz meist ziemlich erbärmlich ist. Ist ja nicht so, als hätten wir infrastrukturelle Probleme, geschweige denn mangelndes Interesse an Sport. Schulsport ist halt leider nicht groß in Deutschland...
Nun zurück zum Gemüsestand. Dort hänge ich eigentlich fast jeden Tag ab. Eine Mittagspause und dann vor allem nach der Arbeit oder nachdem ich in der Stadt war. Täglich bis abends um acht liegen Obst und Gemüse auf den Holzplanken unter dem Wellblechdach. Gekauft habe ich dort aber schon ewig nichts mehr. Ich sitze immer auf der Bank neben dem Holzstand und unterhalte mich mit Vero, Mama Lea, Salome, Anna oder einem ihrer Gäste. Mama Lea führt den Laden mit eiserner Hand und ist eine herzensgute Frau. Ihre älteste Tochter, die dreizehnjährige (wer hätte gedacht, dass sie so heißt) Lea hilft zur Zeit auch kräftig mit. Anna ist im Urlaub, Schule ist in der vergangenen Woche nicht gewesen, da müssen die Jüngeren auch ran.
Anna ist immer ziemlich lustig und lässt recht wenig Ernstes von sich. Genauso alt wie ich, jedoch allein erziehende Mutter eines zweijährigen Jungens, führt sie doch ein recht hartes Leben. Dass sie trotzdem so viel rumblödelt macht sie umso sympathischer.
Salome ist genauso alt und hat auf jeden Fall die schwärzeste Haut von allen. Sie albert auch recht viel rum und wirkt offen gestanden auch nicht immer neunzehn Jahre alt. Vor allem, wenn man sie mit der guten Vero vergleicht. Die ist zwanzig und Schwester von Anna und Mama Lea. Sie ist wohl eine der ganz wenigen Tansanier, wo ich sagen würde, einen echten Freund (ich meine Freundin) gefunden zu haben. Ein unglaublich vernünftiges, bescheidenes und nettes Mädchen. Sie ist auch die, die immer sagt, dass sie nur für Besuche nach Europa wollen würde und die zwar Interesse an meiner Lebensart zeigt, vieles aber komisch oder abstoßend findet. Besonders die Verschlossenheit der Weißen schreckt sie ab. Dass sie aber trotzdem Interesse an Deutschland ("Wofür stehen denn eigentlich die Farben eurer Nationalflagge?!? Das Schwarz der tansanischen Flagge steht für unsere Hautfarbe, aber ihr seid doch weiß!") und der ganzen nördlichen Hemisphäre zeigt, erfreut mich immer wieder.
Dass sind jetzt einige Damen. Dass an einem kleinen Gemüsestand nicht genug Arbeit für alle ist, kann man sich denken. Aber der Stand ist auch nur eine Nebeneinnahme, glaube ich. Primär verdienen sie sich ihr Geld durch ihre Kochkünste. Im benachbarten Gefängnis sitzen nämlich vier kenianische Bankräuber, die noch einige Reserven ihrer Beute besitzen und keinen Appetit auf das Gefängnisessen haben und Mama Lea und ihr Team täglich zweimal mit Essen einlaufen lassen. Morgens gibt es Frühstück und mittags kommt eine große Ladung für den Rest des Tages. Die Unmengen Essen, die die vier verspeisen, machen mich echt immer wieder neugierig, wie dick sie wohl sind. Neben Essen werden auch Zeitungen reingebracht. Erzählungen zufolge leben die Herren ein sehr entspanntes Leben.
Ja, ich bin echt froh, diese Mädels getroffen zu haben. Keine spricht auch nur mehr als zwei zusammenhängende Worte Englisch, was ein wunderbares Kiswahilitraining für mich ist und wir verstehen uns einfach gut. Ich denke auch, dass die Freude durchaus nicht nur von meiner Seite aus kommt, denn wenn der blonde Weiße den Weg vom Daladala bis zum Gemüsestand, zur Musik der Bar singend, angetanzt kommt, ist das für alle Zuschauer wunderbare Unterhaltung. Und all die Geschichten, die ich von daheim mitbringe oder hier in Tansania erlebe, erfreuen die Mädels immer sehr.
So, Freunde der Nacht, bevor das Spiel Brasilien – Portugal beginnt, möchte ich grade noch einmal am Gemüsestand grüßen. Es eilt!
Liebe Grüße nach Deutschland
Freitag, 18. Juni 2010
Das ist doch zum Haare raufen!
Aus verschiedenen Gründen habe ich in den letzten Tage kein Spiel mehr über die volle Zeit gesehen, doch natürlich bin ich immer noch voll auf der Höhe. Während ich mit einigen Freunden deren Abschied in Arusha im Kino war, ging Südafrika 0:3 gegen den zweifachen Weltmeister Uruguay unter. Die Chancen aufs Weiterkommen und die Hoffnungen des gesamten Afrikas auf ein Fußballwunder sind jetzt nur noch minimal. Für das Fußballwunder des Heiligen Ottmars, dem ich als Dortmundfan auf Ewigkeit für Dank verpflichtet bin, konnten sich fast keiner begeistern. Immerhin sind die spanischen Stars allen bekannt und hier auch durchaus beliebt. Die Enttäuschung war dementsprechend groß. Meine Freude vielleicht noch ein bisschen größer. Noch mehr hätte ich natürlich über das „Wunder von Takeshi's Castle“ gefreut. Ich weiß, die Sendung ist japanisch, doch beim Bau des roten Abwehrbollwerks der Nordkoreaner musste ich sofort an diesen Mist denken. Leider hat es dann ja nicht geklappt. Wieder waren die Tansanier auf der Seite der Favoriten, was ich sehr enttäuschend fand. Die letztmals erwähnte Soidarität unter den afrikanischen Fußballmannschaften ist definitiv keine Solidarität unter Fußballzwergen. Dass ich nach dem Anschlusstreffer aufsprang und mehrmals rief, dass noch alles möglich ist, hatte ich mich nicht nur ein bisschen lächerlich gemacht, sondern scheinbar auch wieder bei einigen Leuten im Kopf eingeprägt.
Als ich gestern die enttäuschende Niederlage der Nigerianer gegen die von Rehakles trainierten Griechen im überfüllten East Africa ansah, wurde ich gefragt, ob ich nicht der Typ sei, der für die Chinesen war. Ja, alle Ostasiaten werden gemeinhin als „Mchina“, Chinese, bezeichnet. Während des Brasilienspiels wurde sich auch prächtig unterhalten. Man lästerte über Christina Ronaldo, wie sie immer durch die Gegend fliegt und als ein Brasilienfan nach dem eins zu null sagte, dass die Brasilianer ja echt nicht so schlecht seien, antwortete ein anderer: „Ey, die führen eins zu null gegen eine Mannschaft, deren Spieler nicht einmal sehen könnten.“ Nein, damit möchte ich die Tansanier nicht schlecht darstellen. Ganz im Gegenteil: im East Africa herrscht immer großartige Fußballstimmung und alle sind am klatschen, jubeln, pöbeln, Schiri und Spieler beschimpfen und scherzen. So habe ich die Tansanier zuvor noch nicht erlebt. Auch hier liegt das wohl primär daran, dass ich inzwischen einfach ausreichend verstehe, um auch bei Witzen lachen zu können. Von Tag zu Tag habe ich mehr Spaß in der Bar. Langsam kristallisiert sich eine Stammgemeinschaft von fünfzehn, zwanzig Leuten heraus und als einzige Weiße stechen Anni, Aidan (der uns momentan besucht) und ich natürlich heraus.
Zurück zum Spiel der Nigerianer: leider hatte ich die erste Halbzeit und somit wohl auch die größten Emotionen verpasst. Eins zu null Nigeria, rote Karte für Nigeria, eins zu eins. Als der einzigartige Chancentod Theofanis Gekas dann in der Mitte der zweiten Halbzeit eine weitere Riesenchance vergab und im Gegenzug die nigerianische Führung durch eine Großtat des griechischen Hintermanns und die Unfähigkeit Chinedu Obasis verhindert wurde, stand die Bar Kopf. Der nigerianische Konter ließ alle aufspringen, Tische wurden gerammt, Stühle fielen, literweise Bier wurde verschüttet und im Nachhinein war die Enttäuschung natürlich groß...besonders als die Herren vom Pelepones in Führung gingen und die Nigerianer sich ihrer Einfallslosigkeit nicht entledigen konnten, wurde immer mehr geschimpft. Das war ein bisschen wie wenn eine F-Jugend-Mannschaft in Deutschland Fußball schaut und ihr Team verleirt. Dann wird irgendwann auf Frust umgeschaltet und die eigenen Spieler werden beschimpft. Diese Beschimpferei führte schließlich auch zur heutigen Überschrift, als ein nigerianischer Rasta zu Boden ging und einige Leute bloß „Ach...ein Rasta...“ von sich gaben.
Schon beim Spiel der Elfenbeinküste war ich ganz erstaunt von den unterschiedlichen Haarprachten. Kurze und lange Rastas, geflochtene Zöpfe, Irokesenschnitte und was nicht noch alles. Was müssen sich die Tansanier da denken? Wenn ich im East Africa bin, kann ich zwischen den Männern unterscheiden, die eine Kappe auf der Glatze haben und denen, die eben keinen Kappe tragen. Der ein oder andere lässt sich einen Kevin-Kuranyi-Bart lassen und manche versuchen, einen Schnauzer anzudeuten. Die Vielfalt an haartechnischen Highlights ist aber sehr, sehr überschaubar.
In Moshi gibt es viele junge Männer, die sich Dreadlocks machen. Leider ist der Großteil von ihnen ungefähr so sehr Rasta wie Guido Westerwelle. Es handelt sich um knallharte Abzocker (das bezieht sich natürlich nucht mehr auf unseren Guido), die einem von Gras und Kokain über Kilibesteigungen und Safaris bishin zu jedem erdenklichen Souvenir einfach alles verkaufen wollen. In erster Linie handelt es sich um Souvenirs und das kann dann schon gut passieren, dass man eine Viertelstunde von einem bekifften und besoffenen Rasta durch due Stadt begleitet wird, während er verzweifelt versucht, Ware an den Mann zu bringen. Irgendwann wird dann die Mitleidsnummer ausgepackt, die Preise gehen ein bisschen runter und es wird gesagt, dass man ja auch was zu Essen braucht. In den meisten Fällen stimmt das wohl auch, doch meistens verweigere ich mich dennoch, denn ich sehe keinen Anlass, einen jungen Mann, der mittags schon vollkommen zugedröhnt ist, in irgendeiner Weise mit meinem Geld zu unterstützen. Ihm zu helfen, dafür sehe ich Anlass. Das liegt aber nicht mehr ganz in meinem Kompetenzbereich, sodass mir wenn überhaupt die finanzielle Hilfe bleibt.
Noch etwas zum Haar: es gibt auch einen Stadt bekannten Transvestiten. Dieser flächtet sich die Zöpfe bis zum Hintern. Er ist der einzige Mann, den ich hier mit der Flechterei im Haar gesehen habe. Bei den Mädchen und Frauen sind die verschiedensten Frisuren möglich, die meisten werden mit Kunsthaar gemacht, doch wie schon gesagt, als Mann lässt man sich einfach regelmäßig seine Glatze schneiden.
So, heute spielt Deutschland und ich habe gehört, es gibt eine neue 'Schland-Version. Die werde ich mir nach Möglichkeit zur Einstimmung anhören und dann mit einigen Deutschen ins East Africa bringen. Ich freue mich und hoffe, dass zumindest Ghana und die Elfenbeinküste die nächste Runde erreichen.
Bis bald!
Als ich gestern die enttäuschende Niederlage der Nigerianer gegen die von Rehakles trainierten Griechen im überfüllten East Africa ansah, wurde ich gefragt, ob ich nicht der Typ sei, der für die Chinesen war. Ja, alle Ostasiaten werden gemeinhin als „Mchina“, Chinese, bezeichnet. Während des Brasilienspiels wurde sich auch prächtig unterhalten. Man lästerte über Christina Ronaldo, wie sie immer durch die Gegend fliegt und als ein Brasilienfan nach dem eins zu null sagte, dass die Brasilianer ja echt nicht so schlecht seien, antwortete ein anderer: „Ey, die führen eins zu null gegen eine Mannschaft, deren Spieler nicht einmal sehen könnten.“ Nein, damit möchte ich die Tansanier nicht schlecht darstellen. Ganz im Gegenteil: im East Africa herrscht immer großartige Fußballstimmung und alle sind am klatschen, jubeln, pöbeln, Schiri und Spieler beschimpfen und scherzen. So habe ich die Tansanier zuvor noch nicht erlebt. Auch hier liegt das wohl primär daran, dass ich inzwischen einfach ausreichend verstehe, um auch bei Witzen lachen zu können. Von Tag zu Tag habe ich mehr Spaß in der Bar. Langsam kristallisiert sich eine Stammgemeinschaft von fünfzehn, zwanzig Leuten heraus und als einzige Weiße stechen Anni, Aidan (der uns momentan besucht) und ich natürlich heraus.
Zurück zum Spiel der Nigerianer: leider hatte ich die erste Halbzeit und somit wohl auch die größten Emotionen verpasst. Eins zu null Nigeria, rote Karte für Nigeria, eins zu eins. Als der einzigartige Chancentod Theofanis Gekas dann in der Mitte der zweiten Halbzeit eine weitere Riesenchance vergab und im Gegenzug die nigerianische Führung durch eine Großtat des griechischen Hintermanns und die Unfähigkeit Chinedu Obasis verhindert wurde, stand die Bar Kopf. Der nigerianische Konter ließ alle aufspringen, Tische wurden gerammt, Stühle fielen, literweise Bier wurde verschüttet und im Nachhinein war die Enttäuschung natürlich groß...besonders als die Herren vom Pelepones in Führung gingen und die Nigerianer sich ihrer Einfallslosigkeit nicht entledigen konnten, wurde immer mehr geschimpft. Das war ein bisschen wie wenn eine F-Jugend-Mannschaft in Deutschland Fußball schaut und ihr Team verleirt. Dann wird irgendwann auf Frust umgeschaltet und die eigenen Spieler werden beschimpft. Diese Beschimpferei führte schließlich auch zur heutigen Überschrift, als ein nigerianischer Rasta zu Boden ging und einige Leute bloß „Ach...ein Rasta...“ von sich gaben.
Schon beim Spiel der Elfenbeinküste war ich ganz erstaunt von den unterschiedlichen Haarprachten. Kurze und lange Rastas, geflochtene Zöpfe, Irokesenschnitte und was nicht noch alles. Was müssen sich die Tansanier da denken? Wenn ich im East Africa bin, kann ich zwischen den Männern unterscheiden, die eine Kappe auf der Glatze haben und denen, die eben keinen Kappe tragen. Der ein oder andere lässt sich einen Kevin-Kuranyi-Bart lassen und manche versuchen, einen Schnauzer anzudeuten. Die Vielfalt an haartechnischen Highlights ist aber sehr, sehr überschaubar.
In Moshi gibt es viele junge Männer, die sich Dreadlocks machen. Leider ist der Großteil von ihnen ungefähr so sehr Rasta wie Guido Westerwelle. Es handelt sich um knallharte Abzocker (das bezieht sich natürlich nucht mehr auf unseren Guido), die einem von Gras und Kokain über Kilibesteigungen und Safaris bishin zu jedem erdenklichen Souvenir einfach alles verkaufen wollen. In erster Linie handelt es sich um Souvenirs und das kann dann schon gut passieren, dass man eine Viertelstunde von einem bekifften und besoffenen Rasta durch due Stadt begleitet wird, während er verzweifelt versucht, Ware an den Mann zu bringen. Irgendwann wird dann die Mitleidsnummer ausgepackt, die Preise gehen ein bisschen runter und es wird gesagt, dass man ja auch was zu Essen braucht. In den meisten Fällen stimmt das wohl auch, doch meistens verweigere ich mich dennoch, denn ich sehe keinen Anlass, einen jungen Mann, der mittags schon vollkommen zugedröhnt ist, in irgendeiner Weise mit meinem Geld zu unterstützen. Ihm zu helfen, dafür sehe ich Anlass. Das liegt aber nicht mehr ganz in meinem Kompetenzbereich, sodass mir wenn überhaupt die finanzielle Hilfe bleibt.
Noch etwas zum Haar: es gibt auch einen Stadt bekannten Transvestiten. Dieser flächtet sich die Zöpfe bis zum Hintern. Er ist der einzige Mann, den ich hier mit der Flechterei im Haar gesehen habe. Bei den Mädchen und Frauen sind die verschiedensten Frisuren möglich, die meisten werden mit Kunsthaar gemacht, doch wie schon gesagt, als Mann lässt man sich einfach regelmäßig seine Glatze schneiden.
So, heute spielt Deutschland und ich habe gehört, es gibt eine neue 'Schland-Version. Die werde ich mir nach Möglichkeit zur Einstimmung anhören und dann mit einigen Deutschen ins East Africa bringen. Ich freue mich und hoffe, dass zumindest Ghana und die Elfenbeinküste die nächste Runde erreichen.
Bis bald!
Dienstag, 15. Juni 2010
Pause
Vor einer guten Stunde endete das Spiel Elfenbeinkueste gegen Portugal – torlos…Wie bei allen Begegnungen mit afrikanischer Beteiligung war das East Africa Pub wieder gestopft voll. Doch ich wusste ja Bescheid und war rechtzeitig vor Ort, um einen guten Platz vor dem Fernsehgeraet zu ergattern.
Leider war das Spiel relativ ereignisarm, sodass sich die Stimmung in Grenzen hielt. Einzige Ausnahme stellte die Einwechslung Didier Drogbas dar. Jedes Mal, wenn er im Bild auftauchte, auf der Auswechselbank, beim Einlaufen und natuerlich bei der Einwechslung, klatschten die Leute in die Haende und machten Laerm.
Wesentlich froehlicher waren die Zuschauer hingegen am Sonntag. Nein, nicht wegen Deutschland, sondern wegen des Sieges von Ghana. Endlich mal ein afrikanischer Sieg! Bis dato bekanntermassen ja auch der einzige…scheinbar waren die Leute danach muede oder einfach desinteressiert. Beim Deutschlandspiel war die Bar auf jeden Fall ziemlich leer. Mir kam das aber gerade recht, da ich somit viermal ausreichend Platz hatte, aufzuspringen und dabei meinen Stuhl zum Umfallen zu bringen. Gemeinsam mit Anni und zwei weiteren Deutschen feierte ich dieses Fussballfest! Meine Ankuendigung, nach jedem Tor eine Runde Konyagi zu schmeissen, zog ich mit der Zustimmung der anderen nach dem dritten Tor zurueck. Grade noch rechtzeitig vor dem finalen 4:0 Treffer Cacaus. Lustig war, dass in der Bar auch eine ganze Gruppe Australier ihr Team anfeuerte. Deren Leistung war verglichen mit dem Auftreten ihres Teams herausragend, doch wuerde ich mir selbst den Titel “Fan des Spiels” verleihen. Ich denke, das habe ich verdient ;)
Insgesamt geniesse ich die WM in vollen Zuegen und es steigen auch immer mehr Tansanier in den WM-Zirkus ein. Wollen wir mal hoffen, dass die afrikanischen Teams am zweiten Spieltag noch einen Tick erfolgreicher abschneiden und die Stimmung kocht. Es ist immer wieder faszinierend, welche Solidaritaet auf diesem Kontinent herrscht – zumindest in Fussballfragen. Ob der Spieler nun Eto’o, Drogba, Pienaar oder Gyan heist, alle werden sie geliebt und vergoettert. Selbst ein Henry hat aufgrund seiner Hautfarbe schon einen Fanbonus. In der naechsten Runde werde ich mich mal ueber die Beliebtheit Algeriens informieren, da Nordafrika fuer viele hier schon zu weit weg ist und man sich mit dessen Staaten und Buergern weniger solidarisch zeigt.
Die allgemeine Sympathie fuer Afrikaner beschraenkt sich aber tatsaechlich fast nur auf Persoenlichkeiten aus Sport, Musik und Film. Dass der Nigerianer ein Dieb, der Tansanier eine Schlafmuetze, der Suedafrikaner ja irgendwie schon gar nicht mehr ein echter Afrikaner, der Somali ein Terrorist und der Kenianer ein Verbrecher ist, das scheint Konsens zu sein. Und dass schliesslich alle Weissen im Geld schwimmen ist so selbstverstaendlich wie die Tatsache, dass der Afrikaner Obama sich letztens erstmals in seiner Amtszeit oeffentlich an seine wahre Heimat, Kenia, gewendet hat. Ueber Rassismus in Tansania koennte ich mich wochenlang auslassen. Doch stellt sich mir bei all den Streitfragen auch immer die Frage, ob es bei uns in Deutschland besser, bzw. warum es anders ist.
Ein paar Exempel: dass ich als Weisser immer angesprochen werde, kann durchaus als ein rassistischer Affront betrachtet werden. Schliesslich handelt es sich mitnichten immer nur um ein nettes Hallo, sondern haeufig werde ich gefragt, ob ich nicht ein Essen, ein Bier oder einen Softdrink springen lassen will oder nicht einfach mein Portemonnaie mit dem eines Tansaniers tauschen will. Immer wieder sind das auch Scherze, doch wenn ein Betrunkener mich morgens um elf anpoebelt, dass ich ihm doch sein Fruehstueck bezahlen soll, schuettele ich nur den Kopf und werde auch sauer. Doch machen wir uns mal nichts vor: Weisse, die durch Tansania spazieren, sind in den allermeisten Faellen wohlhabend. Zumindest fuer tansanische Verhaeltnisse. Da sind die zahllosen Freiwilligen hier in Moshi, die jades Wochenende feiern gehen und da sind Abenteurer und Fruehrentner, die sich fuer viel Geld am Kilimanjaro oder in der Serengeti vergnuegen. Die Annahme, dass die Weissen alle Geld haben, liegt fuer viele also auf der Hand. Dass es auch Massen gibt, die immer in Europa sind und dort teilweise sogar mit Armut kaemofen muessen, ist fuer viele hier einfach undenkbar.
Fuer mich ist aber folgendes viel wichtiger: zwar kommen mir auch einige Schnorrer vor die Augen, doch ueberwiegt die Zahl derer, die sich ueber den Weissen freut, nett ist und sich ueber meine Kiswahilibrocken riesig freut. Diese Direktheit und Offenheit, einfach das Gespraech zu suchen, mich auszufragen und sich an der Fremde zu erfreuen, finde ich grossartig, wenn auch immer noch ungewohnt. Als kleiner Test: welcher der Leser hat in Deutschland auf der Strasse schon einmal einen offensichtlich nicht deutschen ueber seine Herkunft ausgefragt und ihm am Ende gesagt: “Mann, herzlich willkommen in Deutschland!!” Natuerlich hat das auch seine Gruende. Allein schon, dass die meisten Weissen hier aus Urlaubsgruenden weilen, waehrend Deutschland ja eher das Praedikat “Einwanderungsland” verdient. Da moegen einige Politiker anderer Meinung sein, doch inzwischen ist das ja wohl ein Fakt…
Puu..einfach mal wieder ein paar Gedanken, die mich bewegen. Ich hoffe mal, nicht zu offensiv zu sein. Jetzt muss ich zurueck ins East Africa, einen guten Platz fuers Brasilienspiel ergattern. Internetcafezeit ist jetzt auch um.
Bis bald, auf dass Suedafrika morgen Abend gewinnt!
Leider war das Spiel relativ ereignisarm, sodass sich die Stimmung in Grenzen hielt. Einzige Ausnahme stellte die Einwechslung Didier Drogbas dar. Jedes Mal, wenn er im Bild auftauchte, auf der Auswechselbank, beim Einlaufen und natuerlich bei der Einwechslung, klatschten die Leute in die Haende und machten Laerm.
Wesentlich froehlicher waren die Zuschauer hingegen am Sonntag. Nein, nicht wegen Deutschland, sondern wegen des Sieges von Ghana. Endlich mal ein afrikanischer Sieg! Bis dato bekanntermassen ja auch der einzige…scheinbar waren die Leute danach muede oder einfach desinteressiert. Beim Deutschlandspiel war die Bar auf jeden Fall ziemlich leer. Mir kam das aber gerade recht, da ich somit viermal ausreichend Platz hatte, aufzuspringen und dabei meinen Stuhl zum Umfallen zu bringen. Gemeinsam mit Anni und zwei weiteren Deutschen feierte ich dieses Fussballfest! Meine Ankuendigung, nach jedem Tor eine Runde Konyagi zu schmeissen, zog ich mit der Zustimmung der anderen nach dem dritten Tor zurueck. Grade noch rechtzeitig vor dem finalen 4:0 Treffer Cacaus. Lustig war, dass in der Bar auch eine ganze Gruppe Australier ihr Team anfeuerte. Deren Leistung war verglichen mit dem Auftreten ihres Teams herausragend, doch wuerde ich mir selbst den Titel “Fan des Spiels” verleihen. Ich denke, das habe ich verdient ;)
Insgesamt geniesse ich die WM in vollen Zuegen und es steigen auch immer mehr Tansanier in den WM-Zirkus ein. Wollen wir mal hoffen, dass die afrikanischen Teams am zweiten Spieltag noch einen Tick erfolgreicher abschneiden und die Stimmung kocht. Es ist immer wieder faszinierend, welche Solidaritaet auf diesem Kontinent herrscht – zumindest in Fussballfragen. Ob der Spieler nun Eto’o, Drogba, Pienaar oder Gyan heist, alle werden sie geliebt und vergoettert. Selbst ein Henry hat aufgrund seiner Hautfarbe schon einen Fanbonus. In der naechsten Runde werde ich mich mal ueber die Beliebtheit Algeriens informieren, da Nordafrika fuer viele hier schon zu weit weg ist und man sich mit dessen Staaten und Buergern weniger solidarisch zeigt.
Die allgemeine Sympathie fuer Afrikaner beschraenkt sich aber tatsaechlich fast nur auf Persoenlichkeiten aus Sport, Musik und Film. Dass der Nigerianer ein Dieb, der Tansanier eine Schlafmuetze, der Suedafrikaner ja irgendwie schon gar nicht mehr ein echter Afrikaner, der Somali ein Terrorist und der Kenianer ein Verbrecher ist, das scheint Konsens zu sein. Und dass schliesslich alle Weissen im Geld schwimmen ist so selbstverstaendlich wie die Tatsache, dass der Afrikaner Obama sich letztens erstmals in seiner Amtszeit oeffentlich an seine wahre Heimat, Kenia, gewendet hat. Ueber Rassismus in Tansania koennte ich mich wochenlang auslassen. Doch stellt sich mir bei all den Streitfragen auch immer die Frage, ob es bei uns in Deutschland besser, bzw. warum es anders ist.
Ein paar Exempel: dass ich als Weisser immer angesprochen werde, kann durchaus als ein rassistischer Affront betrachtet werden. Schliesslich handelt es sich mitnichten immer nur um ein nettes Hallo, sondern haeufig werde ich gefragt, ob ich nicht ein Essen, ein Bier oder einen Softdrink springen lassen will oder nicht einfach mein Portemonnaie mit dem eines Tansaniers tauschen will. Immer wieder sind das auch Scherze, doch wenn ein Betrunkener mich morgens um elf anpoebelt, dass ich ihm doch sein Fruehstueck bezahlen soll, schuettele ich nur den Kopf und werde auch sauer. Doch machen wir uns mal nichts vor: Weisse, die durch Tansania spazieren, sind in den allermeisten Faellen wohlhabend. Zumindest fuer tansanische Verhaeltnisse. Da sind die zahllosen Freiwilligen hier in Moshi, die jades Wochenende feiern gehen und da sind Abenteurer und Fruehrentner, die sich fuer viel Geld am Kilimanjaro oder in der Serengeti vergnuegen. Die Annahme, dass die Weissen alle Geld haben, liegt fuer viele also auf der Hand. Dass es auch Massen gibt, die immer in Europa sind und dort teilweise sogar mit Armut kaemofen muessen, ist fuer viele hier einfach undenkbar.
Fuer mich ist aber folgendes viel wichtiger: zwar kommen mir auch einige Schnorrer vor die Augen, doch ueberwiegt die Zahl derer, die sich ueber den Weissen freut, nett ist und sich ueber meine Kiswahilibrocken riesig freut. Diese Direktheit und Offenheit, einfach das Gespraech zu suchen, mich auszufragen und sich an der Fremde zu erfreuen, finde ich grossartig, wenn auch immer noch ungewohnt. Als kleiner Test: welcher der Leser hat in Deutschland auf der Strasse schon einmal einen offensichtlich nicht deutschen ueber seine Herkunft ausgefragt und ihm am Ende gesagt: “Mann, herzlich willkommen in Deutschland!!” Natuerlich hat das auch seine Gruende. Allein schon, dass die meisten Weissen hier aus Urlaubsgruenden weilen, waehrend Deutschland ja eher das Praedikat “Einwanderungsland” verdient. Da moegen einige Politiker anderer Meinung sein, doch inzwischen ist das ja wohl ein Fakt…
Puu..einfach mal wieder ein paar Gedanken, die mich bewegen. Ich hoffe mal, nicht zu offensiv zu sein. Jetzt muss ich zurueck ins East Africa, einen guten Platz fuers Brasilienspiel ergattern. Internetcafezeit ist jetzt auch um.
Bis bald, auf dass Suedafrika morgen Abend gewinnt!
Sonntag, 13. Juni 2010
Die WM ist endlich eröffnet!!!!!!!
Ich bin umgezogen. Mein neues Zuhause ist das East Africa Pub Inn in der Innenstadt. Diese Bar ist mit vier ordentlichen Fernsehern ausgestattet, serviert Bier zu normalen Preisen, ist bei jedem Spiel gut gefüllt und hat sogar ein bisschen Essen auf der Karte. Okay, bei dem Essen handelt es sich nicht wie üblich um Reis, Maisbrei oder Chipsi (Pommes), sondern lediglich um frittierte Kochbananen (die mir wenig zusagen) und gegrilltes Fleisch. Mal sehen, wie mein Magen mit der Ernährungsumstellung bzw. -einschränkung auf Wasser, Cola, Bier und Fleisch reagiert.
Nach all den Befürchtungen, die Tansanier würden die Weltmeisterschaft nicht ernst nehmen, da ihr Team nicht dabei, bin ich sehr positiv überrascht. Die ersten beiden Tage waren stimmungsmäßig sehr positiv einzuordnen und das zwischenzeitliche 1:0 für die gute Bafana Bafana brachte die Bar zum kochen. Wunderbare Stimmung hier!! Natürlich wird immer ganz besonders für die afrikanischen Teams mitgefiebert und wenn das Spiel erst einmal läuft und der Alkoholkonsum mit fortschreitender Zeit den Pegel kontinuierlich in die Höhe treibt, wird bei jeder Ballberührung geklatscht und gebrüllt. Dass bei Auswechslungen aufgestanden und geklatscht wird, ist ja wohl selbstverständlich.
Letzten Montag wäre ich gerne nach Dar Es Salaam gefahren. Dort spielte die Tansanische Nationalmannschaft – die Taifa Stars – gegen Brasilien. Das 1:5 wertete ich als tansanischen Erfolg, doch stand ich damit allein auf weiter Flur. All die Tansanier die während des Spiels an ihrem Radio hingen, waren tief enttäuscht und beschämt. Natürlich setzte auch ich mich vors Radio, doch leider verstand ich wenig. Den Freudenschrei des Kommentators beim 1:4 werde ich jedoch nicht vergessen. Ja, Fußball im Radio ist schon einzigartig.
Ich wurde gebeten, einfach mal ein bisschen über die tansanische Gesellschaft zu schreiben. Natürlich gibt es da eine Menge zu erzählen, doch ist es echt schwer, ein Thema auszusuchen. Gibt es Fragen von der Leserschaft? Bisher habe ich es meist vermieden, ernsthaft über Land und Leute zu berichten, da ich das als fast unmöglich ansehe. Schon wenn ich mich mit anderen Ausländern unterhalte, merke ich, wie sehr unsere Wahrnehmungen auseinander gehen. Wenn ich nun also von hier erzähle, fürchte ich, meine verehrten Leser durch subjektive Eindrücke im Bezug auf Tansania unrechtmäßig zu euphorisieren oder zu verprellen. Nichtsdestotrotz denke ich gleichzeitig, dass es doch auch etwas Schönes und auch meine Pflicht ist, all jene, die daheim im sommerlichen Deutschland am Computer sitzen, an meinen Gedanken über Tansania teilhaben zu lassen. Wann lassen sich schon Informationen aus allererster Hand lesen und wo sonst habe ich die Möglichkeit, mich öffentlich mit meinen Gedanken, Gefühlen und Eindrücken auseinanderzusetzen und daraufhin vielleicht auch in den ein oder anderen Diskurs zu geraten? Also, über Anregungen, Rückfragen, Lob und Tadel freue ich mich!!
Womit beginnen? Ich erzähle einfach mal ein bisschen von meinem neuen Fußballtrainer. 21 Jahre alt, hat er letztes oder vorletztes Jahr seinen A-Level-Abschluss (vergleichbar mit dem Abi) gemacht und wartet nun auf seine Unizulassung für September. Wie fast alle Tansanier hat er sich für "Accounting" beworben. BWL...langweilig! Andere Optionen sind "Management and Human Ressources" (oder so ähnlich) und "irgendetwas mit Landwirtschaft und Management". Der Mangel an Naturwissenschaftlern scheint meiner subjektiven Wahrnehmung nach auch in Tansania vorzuherrschen. Ich habe bisher einen Ingenieursstudent getroffen. Ansonsten treffe ich hier in Moshi primär auf Mediziner, Jäger und Safariguides. Diese Studenten...leider kenne ich praktisch keine Studenten besser. Es handelt sich hier stets um Barbekanntschaften, die mir in der Regel am nächsten Tag schon ein bisschen auf die Nerven gehen. Meist spielt sich die Sache wie folgt ab: ein besoffener Student läuft auf einen angetrunkenen Hannes zu, spricht ihn auf Englisch an, Hannes antwortet auf Kiswahili, der Student freut sich, sagt, dass jener Mzungu, der Kiswahili spricht, schon ein echter Tansanier ist, sagt weiter, dass er der beste Freund ist, erfragt die Handynummer, die Hannes ihm sofort gibt, um das Gespräch so schnell es geht zu beenden, und dann hat Hannes die Ehre zehn Komolitonen kennen zu lernen, die sich alle denken "oh mann! Was hat unser Kollege nur alles getrunken, dass er jetzt schon mit einem Weißen zu prahlen versucht...". Oh, wollte ich nicht eigentlich von Immanuel, dem Fußballtrainer erzählen?!? Er war wirklich beeindruckend!
Klar, viele haben ein gewisses Interesse an der Fremde und am "Leben der Weißen", doch selten saß ich eine halbe Stunde mit einem Tansanier zusammen und hatte so großen Spaß daran, die Fragen eines jungen, interessierten Mannes zu beantworten. Wie ist das Wetter bei euch? Standardfrage...Wie ist euer Bildungssystem? Schrecklich ;) Hier folgte ein fünf Minuten langer Vortrag, der mir selbst nur verdeutlichte, dass ich erschreckend wenig weiß und dass unser Bildungssystem kompliziert ist. Dass Bildung aber meistens umsonst ist, scheint ihn fasziniert zu haben. Er muss im Jahr mindestens sechshunderttausend Schilling für die Uni berappen. Vierhundert Euro mag dem Deutschen nicht viel erscheinen, doch wenn man bedenkt, dass das weit über der Jahreseinkunft eines Hausmädchens liegt und dass es in etwa dem Monatsgehalt meiner Chefin, Grace, entspricht, wird ersichtlich, dass es sich hier um einen Batzen Geld handelt. Schließlich ist Grace definitiv unter den Besserverdienenden anzusiedeln und man stelle sich vor, der Zögling eines solchen würde in Deutschland mal eben für fünf- oder sechstausend Euro im Jahr studieren wollen. Ordentlich.
Mindestens genauso verblüffend für Immanuel war die Tatsache, dass im Primärsektor (für all diejenigen, die in Politik oder Sozialkunde nicht zugehört haben, hier handelt es sich um Landwirtschaft) lediglich ein Prozent des deutschen BSP erwirtschaftet wird. Für einen Tansanier ist das völlig unvorstellbar. Schließlich sind hier achtzig bis neunzig Prozent in diesem Sektor erwerbstätig. Und der Staat gibt alles, die Bauern auch in ihrem Beruf zu halten und erlässt eine Steuererleichterung nach den anderen. Gestern las ich in der Zeitung, welche Maschinen und Transportwege von Steuern befreit werden sollen. Klingt nach einer großen Sache, doch da es sich beim allergrößten Teil der Bauern lediglich um Subsistenzwirtschaft handelt, fragt man sich doch, ob wirklich viele Leute von diesen groß angekündigten Maßnahmen probieren. Würden sich deutsche Bauern freuen, wenn auf einmal auf jeden Spaten fünfzig Prozent Rabatt wären und alle Ochsenkarrentransporte steuerfrei wären?
So, ein Highlight dieses ereignisreichen Wochenendes war die Miss Vodacom Kilimanjaro" Wahl im La Liga. In einer ewig langen Prozedur wurde die Schönheitskönigin der Region gekrönt. Allerdings schaute ich da schon lange nicht mehr zu. Die Siegerehrung fand um halb drei in der Nacht statt. Da war ich schon im Bett. Lüge. Da war ich im Nebenraum tanzen. Eine Misswahl ist nichts Spannendes kann ich von diesem Abend nur berichten. Ich vermute auch, dass sich das überall ziemlich ähnelt. Die einzige spannende Abwechslung waren Live-Auftritte von tansanischen Musikstars. Besonders der Auftritt der "Wazee wa samaki na bata" (Alte Herren der Fische und Enten) mit ihrem Knallerlied "Pole Samaki" (Tut mir leid, Fisch), ließ mein Herz höher springen.
Und heute Abend kommt das Deutschlandspiel, Ich werde mich schminken, mein Trikot tragen und die Tansanier damit wohl zum Kopfschütteln bringen. Naja, was soll's. Schönen Tag noch!!
Nach all den Befürchtungen, die Tansanier würden die Weltmeisterschaft nicht ernst nehmen, da ihr Team nicht dabei, bin ich sehr positiv überrascht. Die ersten beiden Tage waren stimmungsmäßig sehr positiv einzuordnen und das zwischenzeitliche 1:0 für die gute Bafana Bafana brachte die Bar zum kochen. Wunderbare Stimmung hier!! Natürlich wird immer ganz besonders für die afrikanischen Teams mitgefiebert und wenn das Spiel erst einmal läuft und der Alkoholkonsum mit fortschreitender Zeit den Pegel kontinuierlich in die Höhe treibt, wird bei jeder Ballberührung geklatscht und gebrüllt. Dass bei Auswechslungen aufgestanden und geklatscht wird, ist ja wohl selbstverständlich.
Letzten Montag wäre ich gerne nach Dar Es Salaam gefahren. Dort spielte die Tansanische Nationalmannschaft – die Taifa Stars – gegen Brasilien. Das 1:5 wertete ich als tansanischen Erfolg, doch stand ich damit allein auf weiter Flur. All die Tansanier die während des Spiels an ihrem Radio hingen, waren tief enttäuscht und beschämt. Natürlich setzte auch ich mich vors Radio, doch leider verstand ich wenig. Den Freudenschrei des Kommentators beim 1:4 werde ich jedoch nicht vergessen. Ja, Fußball im Radio ist schon einzigartig.
Ich wurde gebeten, einfach mal ein bisschen über die tansanische Gesellschaft zu schreiben. Natürlich gibt es da eine Menge zu erzählen, doch ist es echt schwer, ein Thema auszusuchen. Gibt es Fragen von der Leserschaft? Bisher habe ich es meist vermieden, ernsthaft über Land und Leute zu berichten, da ich das als fast unmöglich ansehe. Schon wenn ich mich mit anderen Ausländern unterhalte, merke ich, wie sehr unsere Wahrnehmungen auseinander gehen. Wenn ich nun also von hier erzähle, fürchte ich, meine verehrten Leser durch subjektive Eindrücke im Bezug auf Tansania unrechtmäßig zu euphorisieren oder zu verprellen. Nichtsdestotrotz denke ich gleichzeitig, dass es doch auch etwas Schönes und auch meine Pflicht ist, all jene, die daheim im sommerlichen Deutschland am Computer sitzen, an meinen Gedanken über Tansania teilhaben zu lassen. Wann lassen sich schon Informationen aus allererster Hand lesen und wo sonst habe ich die Möglichkeit, mich öffentlich mit meinen Gedanken, Gefühlen und Eindrücken auseinanderzusetzen und daraufhin vielleicht auch in den ein oder anderen Diskurs zu geraten? Also, über Anregungen, Rückfragen, Lob und Tadel freue ich mich!!
Womit beginnen? Ich erzähle einfach mal ein bisschen von meinem neuen Fußballtrainer. 21 Jahre alt, hat er letztes oder vorletztes Jahr seinen A-Level-Abschluss (vergleichbar mit dem Abi) gemacht und wartet nun auf seine Unizulassung für September. Wie fast alle Tansanier hat er sich für "Accounting" beworben. BWL...langweilig! Andere Optionen sind "Management and Human Ressources" (oder so ähnlich) und "irgendetwas mit Landwirtschaft und Management". Der Mangel an Naturwissenschaftlern scheint meiner subjektiven Wahrnehmung nach auch in Tansania vorzuherrschen. Ich habe bisher einen Ingenieursstudent getroffen. Ansonsten treffe ich hier in Moshi primär auf Mediziner, Jäger und Safariguides. Diese Studenten...leider kenne ich praktisch keine Studenten besser. Es handelt sich hier stets um Barbekanntschaften, die mir in der Regel am nächsten Tag schon ein bisschen auf die Nerven gehen. Meist spielt sich die Sache wie folgt ab: ein besoffener Student läuft auf einen angetrunkenen Hannes zu, spricht ihn auf Englisch an, Hannes antwortet auf Kiswahili, der Student freut sich, sagt, dass jener Mzungu, der Kiswahili spricht, schon ein echter Tansanier ist, sagt weiter, dass er der beste Freund ist, erfragt die Handynummer, die Hannes ihm sofort gibt, um das Gespräch so schnell es geht zu beenden, und dann hat Hannes die Ehre zehn Komolitonen kennen zu lernen, die sich alle denken "oh mann! Was hat unser Kollege nur alles getrunken, dass er jetzt schon mit einem Weißen zu prahlen versucht...". Oh, wollte ich nicht eigentlich von Immanuel, dem Fußballtrainer erzählen?!? Er war wirklich beeindruckend!
Klar, viele haben ein gewisses Interesse an der Fremde und am "Leben der Weißen", doch selten saß ich eine halbe Stunde mit einem Tansanier zusammen und hatte so großen Spaß daran, die Fragen eines jungen, interessierten Mannes zu beantworten. Wie ist das Wetter bei euch? Standardfrage...Wie ist euer Bildungssystem? Schrecklich ;) Hier folgte ein fünf Minuten langer Vortrag, der mir selbst nur verdeutlichte, dass ich erschreckend wenig weiß und dass unser Bildungssystem kompliziert ist. Dass Bildung aber meistens umsonst ist, scheint ihn fasziniert zu haben. Er muss im Jahr mindestens sechshunderttausend Schilling für die Uni berappen. Vierhundert Euro mag dem Deutschen nicht viel erscheinen, doch wenn man bedenkt, dass das weit über der Jahreseinkunft eines Hausmädchens liegt und dass es in etwa dem Monatsgehalt meiner Chefin, Grace, entspricht, wird ersichtlich, dass es sich hier um einen Batzen Geld handelt. Schließlich ist Grace definitiv unter den Besserverdienenden anzusiedeln und man stelle sich vor, der Zögling eines solchen würde in Deutschland mal eben für fünf- oder sechstausend Euro im Jahr studieren wollen. Ordentlich.
Mindestens genauso verblüffend für Immanuel war die Tatsache, dass im Primärsektor (für all diejenigen, die in Politik oder Sozialkunde nicht zugehört haben, hier handelt es sich um Landwirtschaft) lediglich ein Prozent des deutschen BSP erwirtschaftet wird. Für einen Tansanier ist das völlig unvorstellbar. Schließlich sind hier achtzig bis neunzig Prozent in diesem Sektor erwerbstätig. Und der Staat gibt alles, die Bauern auch in ihrem Beruf zu halten und erlässt eine Steuererleichterung nach den anderen. Gestern las ich in der Zeitung, welche Maschinen und Transportwege von Steuern befreit werden sollen. Klingt nach einer großen Sache, doch da es sich beim allergrößten Teil der Bauern lediglich um Subsistenzwirtschaft handelt, fragt man sich doch, ob wirklich viele Leute von diesen groß angekündigten Maßnahmen probieren. Würden sich deutsche Bauern freuen, wenn auf einmal auf jeden Spaten fünfzig Prozent Rabatt wären und alle Ochsenkarrentransporte steuerfrei wären?
So, ein Highlight dieses ereignisreichen Wochenendes war die Miss Vodacom Kilimanjaro" Wahl im La Liga. In einer ewig langen Prozedur wurde die Schönheitskönigin der Region gekrönt. Allerdings schaute ich da schon lange nicht mehr zu. Die Siegerehrung fand um halb drei in der Nacht statt. Da war ich schon im Bett. Lüge. Da war ich im Nebenraum tanzen. Eine Misswahl ist nichts Spannendes kann ich von diesem Abend nur berichten. Ich vermute auch, dass sich das überall ziemlich ähnelt. Die einzige spannende Abwechslung waren Live-Auftritte von tansanischen Musikstars. Besonders der Auftritt der "Wazee wa samaki na bata" (Alte Herren der Fische und Enten) mit ihrem Knallerlied "Pole Samaki" (Tut mir leid, Fisch), ließ mein Herz höher springen.
Und heute Abend kommt das Deutschlandspiel, Ich werde mich schminken, mein Trikot tragen und die Tansanier damit wohl zum Kopfschütteln bringen. Naja, was soll's. Schönen Tag noch!!
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